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Schutz des Birkhuhns in der Lüneburger Heide


Dramatischer Bestandsrückgang seit den 1970er Jahren

Sander: Kooperation regionaler Akteure erfolgreich

Hannover, 17.08.2006 - Das Niedersächsischen Umweltministerium und der Verein Naturschutzpark (VNP) engagieren sich erfolgreich seit zwei Jahren für den Schutz des Birkhuhns in der Lüneburger Heide. "In der Lüneburger Heide wurden in diesem Jahr insgesamt 65 Birkhühner gezählt, das sind 30 Tiere mehr als im Jahr 2003", teilte Umweltminister Hans-Heinrich Sander mit. Die Anzahl der balzenden Hähne stieg im Vergleich zum Jahr 2004 um 9, auf insgesamt 14 Birkhähne. Und schon im ersten Jahr der Schutzmaßnahmen wurde eine neue Balz-Arena nahe Schneverdingen entdeckt.

"Dies ist ein beeindruckendes Ergebnis", freute sich der Umweltminister, "es zeigt, dass die Kooperation zwischen Verein Naturschutzpark, Naturschützern, Förstern und Jägern vor Ort reibungslos funktioniert. Alle beteiligten Akteure fühlen sich dem Artenschutz verpflichtet." Gleichwohl warnte der Minister vor Euphorie, "wir haben es seit den 1970er Jahren mit einem dramatischen Bestandsrückgang zu tun. Ziel muss es sein, die positiven Bestandsentwicklungen in der Lüneburger Heide auf andere Gebiete zu übertragen", so Sander. In Niedersachsen lebt mit etwa 200 Tieren der größte zusammenhängende Birkhuhnbestand im mitteleuropäischen Tiefland. Rund ein Viertel davon lebt auf den Heiden und in den heidenahen Waldrandbereichen der "Lüneburger Heide".

"Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass unsere Konzepte richtig sind - sie sollten uns jedoch auch daran erinnern, was in Zukunft nötig ist", betonte der Minister. "So werden wir beispielsweise im kommenden Winter die Kernfläche des "Pietzmoores" bei Schneverdingen weiter als Teillebensraum für Birkhühner umgestalten", kündigte Sander an.

Für die Umsetzung von birkhuhngerichteten Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen - die aufgrund der europäischen Vogelschutzrichtlinie und durch den Verein Naturschutzpark e.V. in den Jahren 2005 bis 2010 erfolgen - setzt das Niedersächsische Umweltministerium jährlich Artenschutzgelder in Höhe von 50.000 Euro ein.

Quelle und weitere Informationen im Internet unter: www.umwelt.niedersachsen.de

------- Weitere Mitteilungen zum Thema Birkhuhn und Wildkatze -------

 

Quellschnecken und Gorillas

Seit zehn Jahre engagiert sich die Zoologische Gesellschaft Frankfurt im Biosphärenreservat Rhön. Bei einer Tagung in Wildflecken-Oberbach am Freitag, den 30. Juni zog die Gesellschaft Bilanz.

Wildflecken-Oberbach, 30.06.2006 - Was haben die Rhön-Quellschnecke und der mächtige Gorilla gemeinsam? Beides sind bedrohte Arten und stehen symbolisch für das Bemühen der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF), die Artenvielfalt auf der Erde zu bewahren. Seit zehn Jahren engagiert sich die Zoologische Gesellschaft Frankfurt für die Erhaltung seltener Tier- und Pflanzenarten im Biosphärenreservat Rhön. Im Vordergrund steht dabei die Bewahrung und Aufwertung der vielfältigen Lebensräume in dem Mittelgebirgsraum zwischen Bayern, Hessen und Thüringen. Bei der Tagung "Zehn Jahre ZGF-Engagement in der Rhön" in Wildflecken-Oberbach zogen die Naturschützer heute Bilanz.

Die ZGF sieht sich hier als Partner der drei Verwaltungsstellen, der Fachbehörden und der Naturschutzverbände innerhalb des Großschutzgebietes. Das Engagement umfasst sowohl die finanzielle Unterstützung als auch den Aufbau länderübergreifender Arbeitsgruppen sowie die Umsetzung konkreter Renaturierungsmaßnahmen.

Im Fokus der Aktivitäten stehen dabei vor allem bedrohte Arten wie Schwarzstorch, Birkhuhn, Bachforelle, Wildkatze, Biber und auch die Rhön-Quellschnecke und deren Lebensräume. Die nur wenige Millimeter große Rhön-Quellschnecke (Bythinella compressa) steht als eine der Zielarten für den Lebensraum "Quelle", sie kommt als so genannte "endemische" Art nur in der Rhön und im Vogelsberg vor. Die Quellschnecke stellt hohe Ansprüche an ihren Lebensraum, so findet man sie vor allem in unbelasteten Quellbereichen in naturnahen Laubwäldern.

Rhön-Quellschnecke, aber auch Schwarzstorch und ein Tagfalter namens Berghexe gehören zu den so genannte Zielarten: Arten, die Naturschützern helfen, Naturschutzziele zu definieren, ihre Wichtigkeit einzuschätzen und den Erfolg von Maßnahmen zu überprüfen. "Die Rhön ist im bundesweiten Vergleich mit einer enormen Biodiversität ausgestattet, die es zu erhalten gilt", sagte der Leiter der Abteilung Europa der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt, Wolfgang Fremuth. "Aus diesem Grund sind länderübergreifende Schutzkonzepte und abgestimmte Schutzmaßnahmen notwendig, die langfristig Populationen gefährdeter Arten stützen und entwickeln helfen."

Zahlreiche Experten beleuchteten anlässlich der Tagung in Wildflecken-Oberbach Lebensräume, Tiere und die verschiedenen Naturschutzaspekte der Rhön. Als ein Beispiel für die Naturschutzarbeit der ZGF wurde das Projekt RHÖN IM FLUSS bilanziert, das von 2003 bis Mai 2006 von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt in Osnabrück finanziell gefördert wurde. Ziel des Projekts ist die Renaturierung ausgewählter Gewässersysteme im Grenzgebiet zwischen Bayern, Hessen und Thüringen, wobei auch die Aspekte des vorbeugenden Hochwasserschutzes berücksichtigt werden. Für Zielarten wie die Bachforelle und Eisvogel werden durch die Renaturierung beeinträchtigter Bachabschnitte die Lebensbedingungen verbessert.

Die ZGF sieht sich dabei in einer Initiator- und Moderatorenfunktion. Sie greift dort ein, wo es ihr lohnend erscheint, durch intensive Kommunikation oder durch Einwerben von Fördermitteln Dritter wichtige Schutz- und Entwicklungsmaßnahmen zu realisieren, die andernfalls nicht umgesetzt werden können. In der Regel sind die Fachbehörden in den einzelnen Ländern die Ausführenden der Renaturierungsmaßnahmen. In Zeiten knapper öffentlicher Kassen erhalten öffentlich-private Kooperationen einen immer größeren Stellenwert.

Im Rahmen der Tagung würdigten Dr. Christof Schenck, Geschäftsführer der ZGF, und Michael Geier, Leiter der Bayerischen Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats Rhön, die Zusammenarbeit mit Naturschutzverbänden. Dr. Volker Wachendörfer, Deutsche Bundesstiftung Umwelt, Abt. Umweltforschung und Naturschutz, stellte die von der Stiftung geförderten Projekte RHÖN IM FLUSS und zum Grünlandschutz in den Kontext von Modellprojekten aus bundesweiter Sicht. PD Dr. Eckhard Jedicke, Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt, skizzierte die Arbeitsweisen des Artenschutzprojekts der ZGF in der Rhön auf der Basis des Zielartenkonzepts. "Ist die Rhön eine Vorbild-Landschaft des Naturschutzes?", fragte Jedicke abschließend und wies anhand einer Perspektivplanung zum Zielartenkonzept auf die Notwendigkeit und Chancen künftigen Naturschutzes in der Rhön hin.

Hat sich die Zoologische Gesellschaft Frankfurt bisher bedrohten Arten und Ihren Lebensräumen gewidmet, wird es in Zukunft einen Schwerpunkt "Wildnis" geben - und zwar nicht nur in der Rhön, sondern weltweit. Ziel ist die Sicherung und Erhaltung artenreicher Wildnisgebiete. In Deutschland werden in Zukunft die Erhaltung und Entwicklung naturnaher Wälder und Fließgewässersysteme im Vordergrund der ZGF-Förderung stehen.

Quelle und weitere Informationen im Internet unter: www.zgf.de


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Weitere Themen: 79, 80, 81, 82, 83, 84, 85, 86

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