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Gewalt gegen humanitäre Hilfsorganisationen in Darfur


Schlechte Sicherheitslage beeinträchtigt humanitäre Hilfe

Gemeinsame Erklärung zu Darfur

17.01.2007 - In den vergangenen zwei Jahren haben die Anstrengungen humanitärer Organisationen in Darfur Hunderttausenden von Zivilisten das Leben gerettet, die von dem Konflikt in der Region betroffen waren. In diesem Zeitraum gelang es, die Sterblichkeitsraten unter das Katastrophenniveau zu senken, die Unterernährung konnte gegenüber ihrem Höchststand Mitte 2004 um die Hälfte verringert werden und fast drei Viertel der Bewohner von Darfur haben nun Zugang zu sauberem Trinkwasser. Allein 2006 wurden 400.000 Tonnen Nahrungsmittel ausgeliefert. Angesichts der sich ständig verschlechternden Sicherheitslage, durch die Bevölkerung und Helfer gleichermaßen bedroht sind, haben die Vereinten Nationen und ihre humanitären Partnerorganisationen sich erfolgreich um das Überleben und den Schutz von Millionen Menschen bemüht.

Die Bemühungen, die notleidende Bevölkerung zu versorgen, sind seit April 2004 massiv gefährdet und die Unsicherheit erreichte im Dezember 2006 ihren Höhepunkt. Dauernde militärische Angriffe, sich ständig verschiebende Fronten und die Zersplitterung bewaffneter Gruppierungen beeinträchtigen die Arbeit der Hilfsorganisationen und vergrößern das Leid der Zivilbevölkerung, die die Hauptbetroffenen des anhaltenden Konflikts sind. Allein im letzten halben Jahr mussten über eine Viertelmillion Menschen wegen der Kämpfe ihre Dörfer verlassen, viele schon zum zweiten oder dritten Mal. Ihre Häuser wurden niedergebrannt, geplündert und willkürlich zerbombt, ihre Ernte und ihr Vieh vernichtet. Das Ausmaß der sexuellen Gewalt gegen Frauen ist besorgniserregend .

Untragbar ist auch die Gewalt, die sich zunehmend direkt gegen humanitäre Helfer richtet. In den letzten sechs Monaten wurden zwölf Mitarbeiter von Hilfsorganisationen getötet, mehr als in den vergangenen zwei Jahren zusammen. Ihr Tod hat sich unmittelbar auf die humanitären Hilfsaktionen in Darfur ausgewirkt. Die Ermordung von drei Wasserbauingenieuren der Regierung in West-Darfur im Juli 2006 hatte zur Folge, dass Wasserbau- und Sanitärmaßnahmen in Lagern für Binnenvertriebene vorübergehend eingestellt wurden. Neun Mitarbeiter derselben Regierungsbehörde wurden im November 2006 in Süd-Darfur entführt - fünf von ihnen sind weiterhin verschollen.

Im letzten halben Jahr wurden 30 Einrichtungen privater Hilfsorganisationen und der Vereinten Nationen direkt von bewaffneten Gruppierungen angegriffen. Bei 31 Zwischenfällen waren über 400 humanitäre Helfer gezwungen, sich aus verschiedenen Einsatzgebieten in Darfur zurückzuziehen, darunter auch aus den Hauptstädten El Fasher und El Geneina sowie aus den von Aufständischen kontrollierten Gebieten. Vorräte wurden geplündert, Mitarbeiter bedroht und tätlich angegriffen. In der Stadt Gereida (Süd-Darfur) wurden am 18. Dezember durch gezielte Angriffe auf sechs humanitäre Einrichtungen die Mitarbeiter der Hilfsorganisationen zum Abzug gezwungen. Aus diesem Grund ist die Nahrungsmittel-, Trinkwasser- und medizinische Versorgung von 130.000 Lagerbewohnern, der größten Ansammlung von Binnenflüchtlingen im gesamten Darfur, akut gefährdet. Bereits zehn Tage zuvor mussten die Mitarbeiter von vier NGOs und dem UN World Food Programme (WFP) in der Stadt Kutum (Nord-Darfur) nach El Fasher abgezogen werden, nachdem eine humanitäre Einrichtung trotz deutlicher Markierung angegriffen worden war. Dies sind nur zwei Beispiele für die Art von Zwischenfällen, wie sie sich in ganz Darfur ereignet haben.

Sollte sich an dieser Situation nichts ändern, droht der humanitäre Einsatz in Darfur zu scheitern, zum Schaden der Menschen, die auf diese Hilfe angewiesen sind. Die anhaltend schlechte Sicherheitslage beeinträchtigt die medizinische Versorgung der Bevölkerung. Viele private Hilfsorganisationen, die bisher ein Mindestmaß an Gesundheitsdiensten bereitgestellt haben, mussten ihre Tätigkeit einstellen oder stark einschränken. Infolgedessen haben sich die sanitären Verhältnisse in den Lagern für Binnenflüchtlinge drastisch verschlechtert - dies lässt sich u.a. daran ablesen, dass im vergangenen Jahr 2.768 Lagerbewohner an Cholera erkrankten, von denen 147 starben. Die allgemeine Unterernährung bewegt sich bedrohlich nahe am Katastrophenniveau. Etwa 60 Prozent der von Nahrungsmittelhilfe abhängigen Haushalte nennt die Sicherheitslage als Hauptgrund dafür, dass sie ihr Land nicht bestellen, ihr Vieh nicht halten und anderen einkommensschaffenden Tätigkeiten nicht nachgehen können.

Die humanitäre Gemeinschaft kann das Überleben der Bevölkerung von Darfur nicht unbegrenzt gewährleisten, solange sich die Sicherheitslage nicht verbessert. Die Unterzeichner dieser Erklärung begrüßen deshalb alle konkreten Schritte von Seiten der Kriegsparteien - unabhängig davon ob sie das Darfur Friedensabkommen ratifiziert haben oder nicht -, die auf eine friedliche Beilegung des Konflikts in Darfur und die Achtung des internationalen humanitären Rechts und dessen Grundsätzen gerichtet sind.

Solche Fortschritte müssen allerdings abgesichert werden. Zuverlässige Garantien für die Sicherheit der Zivilbevölkerung und der humanitären Helfer sind dringend erforderlich. Gleichzeitig müssen all diejenigen zur Rechenschaft gezogen werden, die Übergriffe wie tätliche Angriffe, Entführungen, Einschüchterung, Raub und Körperverletzung gegen die Zivilbevölkerung - darunter Binnenvertriebene, humanitäre Helfer und andere Nichtkombattanten - begangen haben. Anderenfalls wird es den humanitären Organisationen der Vereinten Nationen und den privaten Hilfsorganisationen nicht möglich sein, weiterhin mit ihren Bemühungen Erfolg zu haben, die bisher Linderung der Not und ein gewisses Maß an Schutz für die rund vier Millionen von diesem tragischen Konflikt betroffenen Menschen in Darfur bedeutet haben.

Diese Erklärung wird mitgetragen von den folgenden Mitgliedern des UN-Länderteams im Sudan:

Internationale Organisation für Migration (IOM)
Büro für die Koordination humanitärer Angelegenheiten (OCHA)
Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF)
Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation(UNESCO)
Entwicklungsfonds der Vereinten Nationen für Frauen (UNIFEM)
Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP)
Amt des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen (UNHCR)
Organisation der Vereinten Nationen für industrielle Entwicklung (UNIDO)
Gemeinsame Logistikzentrale der Vereinten Nationen (UNJLC)
Entminungsdienst der Vereinten Nationen (UNMAS)
Büro für Projektdienste der Vereinten Nationen (UNOPS)
Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA)
Welternährungsprogramm (WFP)
Weltgesundheitsorganisation (WHO)

Quelle im Internet und weitere Informationen unter: www.unhcr.de


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