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Wetterfeste Wälder durch natürliche Wiederaufforstung


Nach Kyrill: Wetterfeste Wälder schaffen

WWF: Je natürlicher die Wälder sind, umso eher halten sie Wetterextremen stand

Frankfurt, 23.01.2007 - Rund ein Drittel der Landesfläche Deutschlands ist mit Wäldern bedeckt, doch nur ein geringer Teil - etwa zwei bis drei Prozent - kann nach Einschätzung der Umweltorganisation WWF als "naturnah" bezeichnet werden. Angesichts der Schäden, die der Sturm Kyrill in der vergangenen Woche gebietsweise in den deutschen Wäldern anrichtete, fordert der WWF eine möglichst natürliche Wiederaufforstung oder dass die zerstörten Flächen sich weitgehend selbst überlassen bleiben.

"Viele deutsche Wälder können Winterstürmen wie Kyrill kaum standhalten, weil ihr gleichförmiger Aufbau sie zu windanfällig macht. Wer die Wälder generell für künftige Wetterextreme wappnen will, muss zudem ihr Immunsystem stärken", fordert WWF-Waldexpertin Nina Griesshammer. Die Forstwirtin rät, den Waldbau künftig umsichtiger und vielseitiger als bisher zu betreiben: So sollten die in Deutschland üblichen Reinbestände, die vorwiegend aus Nadelbäumen bestehen, in gesunde Mischwälder mit heimischen Baumarten umgewandelt werden. Diese seien als Ganzes wesentlich stabiler und könnten daher auch klimatische Schwankungen besser regulieren. Zudem sei ein Mischwald wesentlich artenreicher und könne als komplexes Ökosystem eher auf äußere Einflüsse wie zum Beispiel Schädlingsbefall reagieren. Wer zudem das anfallende Totholz in den Wäldern belasse, biete einer Vielzahl von Waldbewohnern, die das Ökosystem regulieren, ausreichenden Lebensraum. All dies mache einen Wald "von Natur aus" resistenter und wetterfester.

Der Wintersturm von letzter Woche gibt nach Ansicht des WWF bereits einen Vorgeschmack auf das Klima der Zukunft, in dem mit häufigeren Wetterextremen zu rechnen sei. Stärkere Regenfälle im Winter und extrem trockene Sommer werden nach Ansicht von Nina Griesshammer zunehmend auch deutliche Spuren in den deutschen Wäldern hinterlassen. "Wenn der Frühling früher beginnt und der Herbst später endet, werden die Vegetationsperioden in den deutschen Wäldern durcheinandergewirbelt - die Bäume kommen durcheinander", warnt sie. So hätten Untersuchungen an Waldbäumen gezeigt, dass sich die Vegetationsperiode in Deutschland seit den 1960er Jahren bereits um durchschnittlich zehn bis elf Tage verlängert habe.

Der WWF wirbt seit vielen Jahren für eine naturnahe Waldbewirtschaftung nach den Kriterien des FSC (Forest Stewardship Council). Der FSC ist nach Einschätzung des WWF das derzeit einzige glaubwürdige internationale Zertifizierungssystem, das eine umweltverträgliche, wirtschaftlich tragfähige und sozial verantwortliche Waldbewirtschaftung garantiert. Die FSC-Richtlinien setzen vor allem auf den Erhalt der natürlichen Vegetation und der Tier- und Pflanzenvielfalt.

Quelle im Internet und weitere Informationen unter: www.wwf.de

------- Mehr zum Thema Sturmschäden und wetterfeste Wälder 2007 -------
 

Mehr Natur im Wald zulassen

NABU NRW: Sturmschäden in NRW-Wäldern als Chance sehen

Düsseldorf, 25.01.2007 - Anlässlich der heutigen ´Aktuellen Stunde´ im Landtag, in dem unter anderem die Sturmschäden in nordrhein-westfälischen Wäldern sowie die Folgen für die Forstverwaltung und die privaten Waldbesitzer zur Diskussion stehen, fordert der NABU NRW die Landesregierung auf, nicht nur ökonomische Gesichtspunkte, sondern auch ökologische Aspekte zu berücksichtigen. "Den Wald-bauern schnelle und unbürokratische Hilfe zuzusagen, wie dies Minister Uhlenberg getan hat, ist eine Sache, großflächige Aufforstungen mit schnellwachsenden Hölzern zu fordern, ist ein Rückfall in alte Denkmuster, von denen wir gehofft haben, dass sie längst überwunden wären", erklärt Josef Tumbrinck, Vorsitzender des NABU NRW. Vielmehr sollte man die Sturmschäden als Chance begreifen, auf Staatswaldflächen endlich die Weichen für eine naturnahe Waldentwicklung zu stellen.

"So bedauerlich sich die hohen Sturmschäden in den Wäldern auch darstellen, die Landesregierung in NRW hat nun die Chance solche hausgemachten Schäden zukünftig zu vermeiden", so Dr. Ute Röder, Waldexpertin des NABU NRW weiter. Die größten Schäden hätte ´Kyrill´ in Fichten- und anderen Nadelholzmonokulturen angerichtet. Rund 50 Prozent des Waldes in NRW seien Nadelholzbestände. Und das, obwohl die moderne Forstwirtschaft schon seit langem wüsste, dass diese Nadelholzmonokulturen instabil seien. So hätten Auswertungen des verheerenden Sturms Wiebke vor 17 Jahren gezeigt, dass Fichten bei einem Sturm viermal so oft umfallen wie Buchen und sogar achtmal so oft wie Eichen.

"Aus dieser leidvollen Erfahrung heraus wurde in NRW das Konzept ´Wald 2000´ entwickelt, das die Entwicklung gesunder Mischbestände aus heimischen und standortgerechten Baumarten verschiedenen Alters, vorsieht", sagt die NABU-Waldexpertin. Solche vorzugsweise aus natürlicher Sukzession entstanden Mischwaldbestände seien sowohl ökologisch wertvoll als auch stabil gegenüber Schadenskalamitäten wie Stürmen, Eisregen oder Schädlingen wie dem Borkenkäfer. Damit sicherten sie auch die ökonomischen Ansprüche der Holznutzung, die an den Wald gestellt werden. "Der NABU appelliert an das Land NRW, seine Vorbildfunktion gegenüber den privaten Waldbesitzern zu erfüllen und das Konzept Wald 2000 im Staatswald umzusetzen. Wer hier nun wieder Nadelholzmonokulturen aufbauen will, weil sie augenscheinlich schnelleren Ertrag versprechen, handelt kurzsichtig", so Röder.

Wo Schäden in FFH-Gebieten und Schutzgebieten entstanden seien, müsse zudem die Frage gestellt werden, ob auf den Staatswaldflächen die Chance genutzt werden sollte, einzelne Flächen nicht wieder aktiv aufzuforsten, sondern diese vollständig der Natur zu überlassen. Hierzu gehöre auch der Verbleib ökologisch wertvollen Totholzes in den Beständen. Pflicht müsse dies sein im Nationalpark Eifel und in Flächen potenzieller Nationalparke wie der Senne und dem Eggegebirge. "Wir müssen der Natur diese Chance geben auch vor dem Hintergrund des nicht mehr aufzuhaltenden Klimawandels. Die Windwurfflächen bieten die Möglichkeit zu erfahren, welche Arten und Mischungen sich auf natürliche Weise unter geänderten Bedingungen einstellen. Wissen, das für den zukünftigen Erhalt der Wälder in NRW von unschätzbarem Wert sein wird", erklärt Röder.

Für die aktuelle Herausforderung zur Bewältigung der Sturmschäden und im Sinne eines wohlüberlegten nachhaltigen Umgangs mit der Zukunft dieser Waldflächen ist eine parallele Belastung durch gleichzeitig stattfindenden Vollzug der Forstreform kontraproduktiv. Daher appelliert der NABU außerdem an die Landesregierung, diese zunächst auszusetzen.

Quelle im Internet und weitere Informationen unter: nrw.nabu.de


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Weitere Themen: 76, 77, 78, 79, 80, 81, 82, 83

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