Terra Human - Magazin und Portal
Home
Umwelt & Natur
Kunst & Kultur
Soziales
Wissenschaft
Photographie
Navigation
Impressum

Lautwahrnehmung und Spracherwerb von Babys


Lauschen im Mutterleib

An der Universität Konstanz eröffnet das erste Babysprachlabor Süddeutschlands

Babys für deutsch-schweizerisches Sprachexperiment gesucht

10.01.2007 - Babys sind zu beneiden, wenn es darum geht, eine Sprache zu lernen. Scheinbar geht es wie von selbst. Hinter diesem "Kinderspiel" steckt jedoch mehr, als auf den ersten Blick zu sehen ist. Am Montag, 15. Januar, eröffnet an der Universität Konstanz das erste Babysprachlabor in Süddeutschland, das den frühkindlichen Spracherwerb erforscht. Die Eröffnungsveranstaltung findet um 16.30 Uhr in Raum F 208a statt.

Am Abend folgt unter dem Titel "Lautwahrnehmung und Spracherwerb: Wie Säuglinge aus Sprachsignalen ein Sprachsystem konstruieren" die Antrittsvorlesung von Prof. Janet Grijzenhout. Die neue Lehrstuhlinhaberin für Anglistische Sprachwissenschaft wird das "Baby Lab" leiten. Beide Veranstaltungen werden begleitet von einem Workshop am 15. und 16. Januar, der sich um das Thema "Deutsch und Schweizerdeutsch: Spracherwerb und Phonologie" dreht.

Dieses Baby Speech Laboratory (BSL) möchte nicht nur das Erlernen der deutschen Sprache genauer untersuchen. Die Konstanzer Lage bietet darüber hinaus hervorragende Bedingungen, die Ergebnisse mit dem Schweizerdeutschen zu vergleichen. Genauer gesagt: Man will herausfinden, ob Kinder zwischen sechs und 24 Monaten die Unterschiede zwischen dem Hochdeutschen und dem Schweizerdeutschen hören und wie sie damit umgehen.

Das Sprechenlernen bzw. das Lernen der Muttersprache beginnt lange bevor das erste Wort gesprochen wird. Genau genommen schon vor der Geburt. Denn sprechen lernen heißt, erst einmal genau hinzuhören. Und das machen Babys schon sehr früh. Bereits im Mutterleib ist der Fötus empfänglich für Sprachlaute. Noch bevor es zur Welt kommt, kennt das Kind die Sprachmelodie seiner Muttersprache. Und auch im ersten Lebensjahr ist das Baby ständig damit beschäftigt, der Sprache seiner Umgebung zu lauschen. Es versucht, eine Struktur im Lautstrom zu erkennen und einzelne Worte herauszufiltern. Bevor das Kind selbst zu sprechen beginnt, hat es also schon eine ganze Menge über seine Muttersprache gelernt.

Eltern mit einem Baby im Alter bis zu 24 Monaten sind eingeladen, an den Studien zur Sprachentwicklung teilzunehmen. Ein Besuch im BSL dauert etwa 30 Minuten. Das Kind hat zunächst Zeit zum Spielen, um sich mit der Umgebung vertraut zu machen. Das Sprachexperiment selbst dauert nur fünf bis zehn Minuten. Die Kinder sitzen dabei auf dem Schoß ihrer Eltern. Auf einer großen Leinwand sehen sie Bilder, gleichzeitig hören sie sich Sprachsignale an. Mit einer Videokamera werden die Augen- bzw. Kopfbewegungen aufgezeichnet, die später (anonym) ausgewertet werden.

Das Baby Lab sucht Eltern mit Babys aus der Schweiz (Kreuzlingen und Umgebung) sowie aus Deutschland (Kreis Konstanz). Unter der folgenden Kontaktadresse kann man sich anmelden und mehr über das BSL erfahren: Tel. 07531/882587, BSL[@]uni-konstanz.de

Quelle im Internet: www.uni-konstanz.de

------- Mehr aus dem Bereich Wissenschaft und Forschung 2007 -------
 

Alarmanlage für die Nerven

Für die Entwicklung eines Alarmsystems bündeln Forscher ihre Kompetenzen

04.01.2007 - Verletzt der Chirurg bei einer Operation die Nerven des Patienten, kann dies gravierende Folgen haben. Forscher entwickeln jetzt ein Monitoring-System, das die Nerven während des Eingriffs kontinuierlich überwacht und den Arzt bei Gefahr warnt.

Alarm während der Operation: Das Messer des Chirurgen kommt dem Stimmbandnerv bedenklich nahe - der piepsende Ton weist den Arzt darauf hin, dass der Druck auf die Nerven zu stark ist. Mit bloßem Auge sind Nerven schwer erkennbar, denn sie gleichen in Struktur und Farbe dem Bindegewebe und den kleinen Blutgefäßen. Das Risiko ist groß: Wird etwa bei Schilddrüsenoperationen der Stimmbandnerv be-schädigt, drohen chronische Heiserkeit, Stimmlosigkeit und Atemnot.

Für die Entwicklung eines Alarmsystems bündeln Forscher ihre Kompetenzen: Neben dem Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik IBMT, der Universitätsklinik Mainz und dem Stuttgarter Robert-Bosch-Krankenhaus sind die Firmen Dr. Osypka GmbH, Reinhardt Microtech GmbH und Inomed Medizintechnik GmbH beteiligt. Das Projekt war einer der Gewinner beim Innovationswettbewerb zur Förderung der Medizintechnik 2006. Am Beispiel von Operationen der Schilddrüse und im kleinen Becken entwickeln die Forscher flexible Elektroden, die die Nerven erstmals kontinuierlich überwachen und den Chirurgen rechtzeitig warnen. »Momentan kann man erst nach der Operation prüfen, ob die Nerven des Patienten noch reagieren«, sagt Klaus Peter Koch, Projektleiter am IBMT. »Denn für den kontinuierlichen Einsatz konventioneller Elektroden ist das Operationsfeld zu klein.«

In einem Pilotprojekt bei Schilddrüsenoperationen konnten die Forscher bereits zeigen, dass es prinzipiell möglich ist, den Stimmbandnerv kontinuierlich zu überwachen. Die beiden Elektrodenpaare sind auf dem Tubus angebracht, der zur Beatmung des Patienten in seine Luftröhre gelegt wird. Eines der Elektrodenpaare stimuliert - von einer speziellen Software gesteuert - den Stimmbandnerv, der daraufhin den Stimmbandmuskel erregt. Das zweite Elektrodenpaar erfasst die Reaktion dieses Muskels, die von der Software sofort ausgewertet wird. Gegen Verrutschen der Elektroden und Fehler beim Anbringen ist das geplante System gefeit: Je nach Elektrodenposition berechnet die Software, über welche der zahlreichen Elektrodenkontakte der Nerv bestmöglich stimuliert wird.

Während zu den Stimmbändern nur ein einzelner Nervenstrang führt, gibt es bei der Blase ein ganzes Nervengeflecht. Über welchen Nerv die Forscher dieses Geflecht am besten stimulieren können, soll eine Studie zeigen. Ist das Monitoring-System erfolgreich, könnte es die Nerven auch bei anderen Operationen schonen: Die Schädigungen, so hofft Koch, könnten um mehr als die Hälfte zurückgehen.

Quelle im Internet: www.fraunhofer.de


--------------------------------------------------------

Weitere Themen: 61, 62, 63, 64, 65, 66, 67, 68

Sie haben eine Frage zum Thema "Lautwahrnehmung und Spracherwerb von Babys"? Sie würden gern mehr über das Thema "Alarmanlage für die Nerven" erfahren? Über einige Themen können wir auch nur berichten, doch einige Antworten auf häufig gestellte Fragen finden Sie unter dem Stichpunkt Glossar und einige weiterführende Erläuterungen unter Brennpunkte I und II. An der Erweiterung dieser Stichpunkte und Rubriken arbeiten wir.