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Humanitäre und politische Lage in Somalia


Fortführung der gegenwärtigen Politik destabilisiert die Region

Evangelische Hilfswerke fordern Verhandlungen und Einstellung der Luftangriffe

Humanitäre Hilfe muss dringend verstärkt werden

Stuttgart, 12.01.2007 - Angesichts der katastrophalen humanitären und politischen Lage in Somalia drängen "Brot für die Welt" und die Diakonie Katastrophenhilfe auf die unverzügliche Aufnahme von Friedensverhandlungen zwischen allen Konfliktparteien. "Voraussetzung dafür sind die Einstellung der US-amerikanischen Luftangriffe, der Abzug der äthiopischen Truppen und der Dialog mit den muslimischen Kräften im Land", erklärt die Direktorin der evangelischen Hilfsorganisationen, Cornelia Füllkrug-Weitzel. Die Fortführung der gegenwärtigen Politik hingegen würde die gesamte Region destabilisieren.

"Die Hilfe für die vom Krieg und der jüngsten Flut gebeutelten Menschen und die Notwendigkeit einer politischen Lösung für die Region droht derzeit, hinter den globalen Kampf gegen den Terror zurück gestellt zu werden", so Füllkrug-Weitzel. Die "Nachkriegssituation" in Somalia gleiche in vielerlei Hinsicht der Lage in Afghanistan und im Irak. "Die Islamisten werden für ihre neue Strategie nicht nur auf die Unterstützung aus der arabisch-islamischen Welt zählen können, sondern auch auf den somalischen Nationalismus, so lange die verhassten äthiopischen Truppen auf somalischem Boden stehen, die Amerikaner im Land operieren und dazu die Islamischen Gerichte mit dem Al-Kaida-Terrorismus gleichsetzen."

Lösungen für die humanitäre und politische Krise in Somalia müssten Vorrang haben und dürften nicht dem globalen Anliegen der Terrorbekämpfung geopfert werden, fordert Füllkug-Weitzel. Eine zukunftsfähige Friedenslösung im Interesse umfassender Sicherheit von Millionen Menschen in Somalia vertrage sich nicht mit dem gegenwärtigen Aufbau von Feindbildern im globalen Anti-Terrorkampf. Die Bundesregierung solle ihren Einfluss in der Europäischen Union und bei den G8 geltend machen und sich für eine unverzügliche Beendigung der Angriffe sowie nationale und regionale Bemühungen um eine friedliche Lösung einsetzen.

Notwendig seien zudem Vermittlungs- und Friedensbemühungen der Religionsgemeinschaften und anderer ziviler Kräfte in der Region. Die Stärkung der Zivilgesellschaft sei die Voraussetzung für Versöhnung und den Aufbau neuer politischer Strukturen. Eine Verstärkung der humanitären Hilfe und die Verzahnung mit Entwicklungszusammenarbeit müssten Teil der politischen Lösung für Somalia sein, fordert Füllkrug-Weitzel.

Nur wenn sich die soziale und wirtschaftliche Lage der Menschen in Somalia bessere, sei eine stabile Basis für Regierungshandeln, die Anerkennung des staatlichen Gewaltmonopols und eine friedliche Entwicklung gegeben. Hier müsse sich die internationale Gemeinschaft verstärkt engagieren.

Somalia ist eines der ärmsten Länder der Welt. Das jährliche Durchschnittseinkommen liegt bei 80 Euro, 13 Prozent der Kinder sterben, bevor sie das fünfte Lebensjahr erreichen. Es gibt keine öffentliche Wasser - oder Stromversorgung und kein staatliches Schulwesen.

Die Diakonie Katastrophenhilfe leistet als eine der wenigen deutschen Hilfsorganisationen über ihren somalischen Partner Daryeel Bulsho Guud (DBG) Nothilfe für 30.000 Menschen, die durch die jüngsten Kämpfe aus ihren Häusern vertrieben wurden. Zudem unterstützt sie die Opfer der verheerenden Überschwemmungen im Herbst 2006. "Brot für die Welt" fördert die Kirchen in der Region bei ihren Vermittlungsbemühungen gemeinsam mit anderen Religionsführern.

Das Engagement der beiden Schwesterorganisationen "Brot für die Welt" und Diakonie Katastrophenhilfe in Somalia reicht lange zurück: Während der großen Hungersnot 1992 hatten sie in Mogadischu ein Projektbüro eröffnet, das seit Anfang 2004 eine eigenständige somalische Organisation ist. Durch strikte Neutralität hat sich DBG den Ruf eines zuverlässigen, unabhängigen Partners erworben. Alle somalischen Clans sind in der Organisation vertreten, die in Mogadischu und in den ländlichen Regionen am Shabelle-Fluss zahlreiche Hilfsprogramme durchführt. Die Hilfe leistet so auch einen Beitrag zur Versöhnung und Zusammenarbeit über die Clangrenzen hinweg.

Quelle im Internet und weitere Informationen unter: www.brot-fuer-die-welt.de


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Sie haben eine Frage zum Thema "Somalia"? Sie würden gern mehr über die katastrophale humanitäre und politische Lage in Somalia erfahren? Über einige Themen können wir auch nur berichten, doch einige Antworten auf häufig gestellte Fragen finden Sie unter dem Stichpunkt Glossar und einige weiterführende Erläuterungen unter Brennpunkte I und II. An der Erweiterung dieser Stichpunkte und Rubriken arbeiten wir.