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Minimal-invasive Operationen in der Herzchirurgie


Mehr innovative Operationsmethoden

Neue Akzente in der Heidelberger Herzchirurgie

Der neue Ärztliche Direktor, Professor Dr. Matthias Karck, hat das Spektrum der Operationen um innovative, erfolgreiche Verfahren erweitert

12. Dezember 2006 - In der Abteilung Herzchirurgie der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg werden seit Oktober 2006 mehrere innovative Operationsmethoden eingesetzt, mit deren Hilfe Herzrhythmusstörungen, Erkrankungen der Herzklappen und der Koronararterien sowie der Hauptschlagader sehr erfolgreich, aber gleichzeitig schonend behandelt werden können. Ein weiterer Vorteil: Einige Verfahren ermöglichen den Verzicht auf die Einnahme gerinnungshemmender Medikamente.

Der neue Ärztlicher Direktor, Professor Dr. Matthias Karck, zuvor als renommierter Herzchirurg an der Medizinischen Hochschule Hannover tätig, hat mit seinem Team das Spektrum der Operationsangebote binnen kurzer Zeit wesentlich erweitert. Darauf wies bei einer Pressekonferenz am 12. Dezember 2006 in Heidelberg der Leitende Ärztliche Direktor des Universitätsklinikums Heidelberg, Professor Dr. Eike Martin, hin. Professor Karck und der Leitende Oberarzt der Herzchirurgie, Dr. Artur Lichtenberg, erläuterten die neuen Methoden, die nun auch den Patienten der Rhein-Neckar-Region zugute kommen.

In den vergangenen Wochen sind in Heidelberg erstmals Operationen mit Hilfe der minimal-invasiven "Schlüsseloch-Chirurgie" vorgenommen worden. "Lange Zeit erforderte der Zugang zum Herzen für eine Operation die vollständige Durchtrennung des Brustbeines", erläuterte Professor Karck. Seit Mitte der neunziger Jahre haben auch in der Herzchirurgie diese Verfahren Einzug gehalten, werden heute allerdings im Zusammenhang mit Bypass-Operationen bundesweit nur bei rund 20 Prozent der Operationen eingesetzt.

 
Minimal-invasive Techniken ermöglichen Operation ohne Herz-Lungen-Maschine

Bei der MIC-Technik operiert der Herzchirurg durch einen Mini-Schnitt an der Seitenwand des Brustkorbes. Geschont wird der gesamte Organismus vor allem durch den Verzicht auf die Herz-Lungen-Maschine (HLM), die den Kreislauf während der Operation vorübergehend umleitet und eine Stilllegung des Herzens ermöglicht. Mit Hilfe minimal-invasiver Techniken kann der Eingriff am schlagenden Herzen vorgenommen werden: "Dabei wird der Herzmuskelbereich, an dem jeweils operiert wird, durch Stabilisatoren mit Druck oder Saugwirkung ruhig gehalten", erläuterte Dr. Lichtenberg. Gleichzeitig werden die Nachteile der HLM vermieden: eine Einschränkung der Nieren- und Lungenfunktion und das erhöhte Risiko für Minderdurchblutungen des Gehirns. Besonders ältere Patienten profitieren, wenn der eigene Blutkreislauf während der Operation aufrecht erhalten bleiben kann.

Operationen an der Aortenklappe werden nach wie vor ausschließlich mit Herz-Lungen-Maschine vorgenommen. Schonend ist hier die partielle Spaltung des Brustbeins. Dieses Verfahren ist für viele Patienten schonender und die Länge des hierfür notwendigen Hautschnittes verkürzt sich um die Hälfte.

 
Auf Gerinnungshemmer kann nach Rekonstruktion der Aortenklappe und operativer Behandlung des Vorhofflimmerns verzichtet werden

Die Rekonstruktion der Aortenklappe, der Herzklappe zwischen linker Herzkammer und der Hauptschlagader (Aorta), ist ein weiteres Verfahren, das erstmals in der Heidelberger Klinik zum Einsatz kommt. Es wird bei mangelndem Verschluss durch die Klappe (Insuffizienz) aber ansonsten intakter Klappe angewendet. Vorteil der Rekonstruktion besteht darin, dass die patienteneigene Aortenklappe mit ihrer jeder künstlichen Klappe überlegenen Hämodynamik strukturell erhalten werden kann, indem sie in eine Gefäßprothese eingenäht wird. Auf die lebenslange Einnahme gerinnungsverdünnender Mittel, wie sie bei einem Klappenersatz meist erforderlich ist, kann der Patient verzichten.

Auch die chirurgische Behandlung des Vorhofflimmerns - seit Oktober im OP-Katalog der Heidelberger Klinik - zielt u.a. darauf ab, diese lebenslange, aufwendige Arzneimittelbehandlung überflüssig zu machen. Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung überhaupt; in Deutschland sind schätzungsweise zwei Prozent betroffen. Bei ihnen kommt es zu sehr rasch aufeinander folgenden, ungeordneten elektrischen Impulsen vom Vorhof an die Herzkammer. Vorhof und Kammer schlagen unabhängig voneinander und in unterschiedlicher Geschwindigkeit.

Bei chronischem Vorhofflimmern ist die Lebenserwartung stark reduziert und das Risiko für einen Schlaganfall vervielfacht, da sich im unkoordiniert schlagenden Vorhof Blutgerinnsel bilden können, die ins Gehirn gespült werden können (Hirnembolie). Deshalb müssen Patienten neben rhythmus-stabilisierenden zeitlebens auch blutverdünnende Mittel einnehmen.

 
Herzrhythmusstörungen können dauerhaft geheilt werden

Eine dauerhafte Heilung von Vorhofflimmern kann in der Regel nur durch interventionelle Kathetertechnik oder im Zuge einer eine Herzoperation erzielt werden. Die heute verwendeten Techniken gehen auf die "Maze-Operation" zurück (Maze, englisch: Labyrinth). In Heidelberg wird eine Modifikation dieser Technik als Zusatzeingriff bei Patienten eingesetzt, die wegen einer Klappenerkrankung oder Koronaren Herzkrankheit operiert werden. Die Operation verlängert sich dadurch um ca. 15 Minuten. Dabei werden im linken Vorhof mit einem speziellen Katheter unter direkter Sicht des Chirurgen Leitungsbahnen durchtrennt, die die Rhythmusstörungen unterhalten.

Die Langzeitergebnisse (bis zu 5 Jahre) nach dieser Art von Maze-Operation sind sehr gut: Bei etwa 80 Prozent der Patienten kann ein normaler Herzrhythmus wiederhergestellt und die Pumpleistung von Vorhof und Herzkammer erheblich gesteigert werden.

Quelle im Internet und weitere Informationen unter: www.uni-heidelberg.de


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