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Schutz vor Kindesvernachlässigung und Kindesmissbrauch


Erste Niedersächsische Kinderschutzkonferenz

Niedersachsen bundesweit Vorbild bei Vernetzung der frühen Hilfen

Sozialministerin Ross-Luttmann fordert neue Untersuchungsrichtlinien für
Kindesvernachlässigung und Misshandlung


"Es geht um mehr als Gewicht, Größe und Infektionskrankheiten"

Hannover, 11.12.2006 - Auf Initiative von Niedersachsens Sozialministerin Mechthild Ross-Luttmann haben heute 18 Verbände und Institutionen - u.a. Kinderschutzbund, Ärztekammer, kommunale Spitzenverbände und Krankenkassen - auf der 1. Niedersächsischen Kinderschutzkonferenz über bessere Maßnahmen zum Schutz vor Kindesvernachlässigung und Kindesmissbrauch beraten. "Wir wollen bundesweit Vorbild bei der besseren Vernetzung der frühen Hilfen und Angebote verschiedener Kinderschutzinstitutionen und Expertenverbänden sein", sagte Sozialministerin Mechthild Ross-Luttmann.

Thema der Kinderschutzkonferenz war u.a. das Instrument der regelmäßigen Kindervorsorgeuntersuchungen. Diese können ein wirksamer Baustein für den umfassenden Kinderschutz sein. Voraussetzung sei jedoch, dass die Eltern noch regelmäßiger an die Untersuchungstermine erinnert werden. Dazu könne auch ein verbindlicheres Einladungswesen dienen.

Mechthild Ross-Luttmann: "Sinn machen verbindliche Einladungen nur, wenn Jugendämter bei ausbleibender Reaktion von Eltern genauer hinschauen dürfen. Mit Drohungen allein werden wir die Problemfamilien jedoch nicht erreichen. Am wirkungsvollsten sind Frühhilfesysteme wie beispielsweise unsere niedersächsischen Modelle der Familienhebammen der Stiftung 'Eine Chance für Kinder' bzw. der Stiftung 'Pro Kind'."

Mechthild Ross-Luttmann forderte anlässlich der Kinderschutzkonferenz eine Erneuerung der Inhalte und Ausrichtung der Kinderfrüherkennungsuntersuchungen U1 bis U10/J1: "Nicht alle Untersuchungsinhalte sind mehr zeitgemäß. Wir brauchen eine stärkere Vergleichbarkeit. Vorsorgeuntersuchungen mit stärkerer Ausrichtung auf die zunehmenden psychosozialen Probleme und Störungen der Kinder und Jugendlichen können die Kinder- und Jugendärzte unterstützen und ihnen notwendige Sicherheit geben. Die heutigen Inhalte der Vorsorgeuntersuchungen sind zu optimieren. Es geht um mehr als nur Gewicht, Größe und Infektionskrankheiten."

Die Sozialministerin appellierte an den gemeinsamen Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen (GBA), die Kinderrichtlinien jetzt zügig neu zu formulieren, in denen Parameter für die Vorsorgeuntersuchungen festgelegt werden. Mechthild Ross-Luttmann: "Seit zwei Jahren schon diskutiert der Gemeinsame Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen darüber, wie das Untersuchungsschema aus den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts modernisiert werden kann. Wir brauchen hier endlich konkrete Fortschritte bei der Formulierung neuer Untersuchungsrichtlinien. Sie sind stärker auf mögliche Misshandlung oder Vernachlässigung auszurichten."

Ross-Luttmann wies darauf hin, dass das Niedersächsische Sozialministerium momentan gemeinsam mit der Ärztekammer an einem neuen Leitfaden arbeite, der sich an Ärzte richte und der konkreten Aspekten von Vernachlässigung Rechnung trage. Die Vorstellung ist für das erste Quartal 2007 geplant.

Die Teilnehmer der Kinderschutzkonferenz waren sich einig, dass die Verantwortung für den Kinderschutz nicht nur bei einer Institution (wie etwa den Kinder- und Jugendärzten) abgeladen werden dürfe. Trotz der formalen Zuständigkeit der kommunalen Jugendhilfe in den Landkreisen und kreisfreien Städten Niedersachsens bleibe Kinderschutz eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Ross-Luttmann: "Wachsam müssen alle sein, Behörden und Mediziner wie auch das direkte Lebensumfeld der Betroffenen."

Mechthild Ross-Luttmann sieht die 1. Niedersächsische Kinderschutzkonferenz als Auftakt für einen regelmäßigen und breiten Dialog der Landesregierung mit unterschiedlichen Expertenverbänden. Bereits im Frühsommer 2007 will Ross-Luttmann zum nächsten Folgetreffen einladen. Zwischenzeitlich soll sich eine Expertenrunde aus Vertretern des Sozialministeriums und Teilnehmern der Kinderschutzkonferenz mit den Themen "Interdisziplinäre Früherkennung", "Erinnerungssysteme für Vorsorgeuntersuchungen" und "Kommunale Kontrollmöglichkeiten" befassen und der 2. Kinderschutz-Folgekonferenz berichten.

An der 1. Niedersächsische Kinderschutzkonferenz beteiligten sich neben kommunalen Spitzenverbänden und den Landesverbänden der Krankenkassen auch die Landesarbeitsgemeinschaften der Freien Wohlfahrtspflege, sowie weiterhin der Deutsche Kinderschutzbund, die Niedersächsische Ärztekammer, der Landespräventionsrat, der Hebammenverband Niedersachsen e.V., das Landesgesundheitsamt und weitere Kinderschutzzentren und Verbände.

Quelle im Internet: www.ms.niedersachsen.de


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