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Freisetzungsversuch von Gen-Weizen in Sachsen-Anhalt


Gen-Lobby genehmigt Gen-Weizen

Freisetzungsversuch in Sachsen-Anhalt durchgewinkt

Umweltinstitut München leitet dienstrechtliche Schritte gegen Spitzenbeamte ein

München, 24. November - Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat gestern einen Freisetzungsversuch mit genmanipuliertem Weizen in Gatersleben (Sachsen-Anhalt) genehmigt. Gegen diesen Versuch hatte das Umweltinstitut München dem BVL im September mehr als 30.000 Einwendungen überreicht. Es wird nun Dienstaufsichtsbeschwerde gegen zwei Spitzenbeamte des BVL einreichen. Das Umweltinstitut München wirft den beiden, nicht zuletzt aufgrund der aktuellen Entscheidung, langjährige öffentliche Parteinahme für die Agro-Gentechnik und Befangenheit vor.

Der Leiter der Abteilung Gentechnik im BVL, Hans-Jörg Bukh, und sein Stellvertreter, Detlef Bartsch, sind in einem PR-Film der Gentechnikindustrie aufgetreten, der unter anderem von den Konzernen Monsanto und Syngenta finanziert wurde. In diesem Film, der in Ausschnitten in dem Politmagazin "Report Mainz" gezeigt wurde, plädiert Bukh mit ökonomischen Begründungen für den Anbau von genmanipuliertem Mais. Harald Nestler, Vorstand beim Umweltinstitut München, kritisiert: "Die Behörde soll Gen-Pflanzen nicht hofieren, sondern regulieren. Doch mit solchen Beamten sind keine abwägenden Entscheidungen bei einem so heiklen Thema wie der Freisetzung genmanipulierter Pflanzen zu erwarten." Das Umweltinstitut München fordert, dass Bukh und Bartsch von ihren Aufgaben entbunden werden und die bereits unter ihrer Leitung getroffenen Entscheidungen überprüft werden.

Der Gen-Weizen soll in Gatersleben in weniger als 500 Meter Entfernung von den Anbauflächen einer der weltgrößten Getreide-Genbanken freigesetzt werden. Dort lagern unter anderem mehr als 60.000 Getreidesorten, die zu ihrer Erhaltung regelmäßig im Freiland angebaut werden müssen. Die Gefahr von Auskreuzungen in die Genbank-Bestände wird durch die getroffenen Sicherheitsmaßnahmen allerdings nur reduziert, sie wird keineswegs ausgeschlossen. Eine Verunreinigung dieser Pflanzen durch genmanipulierten Weizen wäre ein unersetzlicher Verlust für zukünftige Züchtungsbemühungen und die Ernährungssicherheit zukünftiger Generationen. "Die Genehmigung zum Anbau von Gen-Weizen in unmittelbarer Nachbarschaft zur Genbank in Gatersleben ist bezeichnend für die Behörde", findet Andreas Bauer, Agrarwissenschaftler und Gentechnikexperte beim Umweltinstitut München. "Seit Jahren ist das BVL die administrative Speerspitze bei der Durchsetzung der Agro-Gentechnik in Deutschland. Und das gegen den erklärten gesellschaftlichen Willen." Seit dem Regierungswechsel agiere das BVL völlig enthemmt und öffne durch die kritiklose Genehmigung riskanter Freisetzungsexperimente mit genmanipulierten Pflanzen der Agro-Gentechnik Tür und Tor, meint Bauer.

Allein in diesem Jahr wurden vom BVL mehrere höchst kontrovers diskutierte Genehmigungen für Freilandexperimente mit Gen-Pflanzen durchgewinkt. Dazu gehören die Freisetzung von Gen-Raps und von transgenen Pharma-Kartoffeln zur Produktion von Impfstoffen gegen Cholera und ein Kaninchenvirus. Dabei setzte sich das BVL über schwerwiegende wissenschaftliche Bedenken anderer Behörden, wie dem Bundesamt für Naturschutz (BfN), hinweg.

Den Antrag für das Freisetzungsexperiment mit Gen-Weizen in Gatersleben hatte das Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) gestellt. Die manipulierten Weizenpflanzen verfügen angeblich über einen erhöhten Protein-Gehalt. Sie sind zusätzlich resistent gegen ein Totalherbizid des Bayer-Konzerns und die Antibiotika Ampicillin und Streptomycin.

Die ausführliche Dienstaufsichtsbeschwerde des Umweltinstituts München finden Sie auf unserer Homepage unter www.umweltinstitut.org/genweizen.

Quelle im Internet: www.umweltinstitut.org

------- Mehr zum Thema Gen-Weizen in Sachsen-Anhalt 2006 -------
 

NABU kritisiert Genehmigung von Genweizen-Anbau
in Sachsen-Anhalt

Tschimpke: Steuerzahler zahlt für umstrittenes Projekt

Berlin/Gatersleben, 24.11.2006 - Der Naturschutzbund NABU hat die Genehmigung des höchst umstrittenen Genweizen-Anbaus in Gatersleben durch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit heftig kritisiert. Damit hat die Seehofer-Behörde den ersten Freisetzungsversuch mit genmanipuliertem Weizen in Deutschland seit zwei Jahren genehmigt. "Die Entscheidung für den Genweizen-Anbau ist eine klare Absage an Risikovorsorge und Verbraucherschutz. Hier werden Steuergelder für ein unsinniges Projekt zum Fenster herausgeworfen. Statt einseitiger Hightech-Strategien brauchen wir dringender denn je eine moderne, vielfältige Züchtungsforschung, die Lösungen für unsere Zukunftsprobleme wie Klimawandel und Energieknappheit bietet", sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Obwohl rund 30.000 Einwendungen von Bürgern, Verbänden und Lebensmittelhändlern gegen den Anbau des Genweizens an das Bundesamt für Verbraucherschutz übergeben worden seien, habe die Behörde dem riskanten Vorhaben zugestimmt.

Das Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) will auf 1200 Quadratmetern Fläche über 11.000 gentechnisch veränderte Winterweizen-Pflanzen zu Forschungszwecken feisetzen. Gleichzeitig betreibt das Institut die Genbank in Gatersleben gleich nebenan. Dort werden viele Tausend Nutzpflanzensorten aufbewahrt und kultiviert. In dieser Pflanzenbibliothek lagern Jahrhunderte alte Weizenkulturen. Nicht nur Hamster und Mäuse können zwischen den verschiedenen Kulturen hin- und herwandern. "Es besteht die Gefahr, dass der moderne Genweizen in diese alte Sorten einkreuzt. Das ist ungefähr so, wie wenn man einem Klassiker von Goethe eben mal fünf moderne Sätze zufügt und das Original somit für immer und ewig verfälscht," kritisierte Tschimpke.

Gentechnik im Weizenanbau stößt nicht nur in Europa auf gesellschaftlichen Widerstand. In den USA wurde die Markteinführung von genmanipuliertem Weizen 2004 aufgegeben, weil die Kosten für Verfahren, um konventionellen und Genweizen zu trennen, astronomisch hoch sind. Wie wenig berechenbar und empfindlich die weltweiten Warenströme auf Verunreinigungen durch Genpflanzen reagieren, hat erst kürzlich der Skandal um Verunreinigungen mit Genreis in Deutschland gezeigt. "Hier geht es nicht um Soja und Mais für den Futtertrog, sondern um eines der wichtigsten Grundnahrungsmittel", so Tschimpke.

Quelle im Internet und weitere Informationen unter: www.nabu.de


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Sie haben eine Frage zum Thema "Freisetzungsversuch von Gen-Weizen"? Sie würden gern mehr über genmanipulierten Mais und Weizen erfahren? Über einige Themen können wir auch nur berichten, doch einige Antworten auf häufig gestellte Fragen finden Sie unter dem Stichpunkt Glossar und einige weiterführende Erläuterungen unter Brennpunkte I und II. An der Erweiterung dieser Stichpunkte und Rubriken arbeiten wir.