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Schlechte Bildungschancen für Ämere in Deutschland


Deutschland düster gestimmt

Datenreport: Angst vor Jobverlust, Verzicht auf Arztbesuch, schlechte Bildungschancen für Ärmere

Berlin, 13.09.2006 - Die Deutschen blicken unter allen Europäern am pessimistischsten in die Zukunft. Nur 24 Prozent glauben, dass es ihnen in fünf Jahren besser gehen wird als heute. Nur die Tschechen (26 Prozent) sehen ihre persönliche Zukunft ähnlich düster. Am optimistischsten sind die Iren (61 Prozent), gefolgt von den Spaniern (59 Prozent). Zu diesem Ergebnis kommt der Datenreport 2006 auf der Basis europaweiter Befragungen. Der Report informiert über die Entwicklung der Lebensbedingungen und der Sozialstruktur sowie das subjektive Wohlbefinden der Bürger. Er wird erstellt vom Statistischen Bundesamt in Zusammenarbeit mit Forschern des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) und des Zentrums für Umfragen, Methoden und Analysen in Mannheim (ZUMA).

Auch die Arbeitsmarktsituation schätzen die Bundesbürger im Vergleich zu anderen Europäern deutlich schlechter ein. Nur drei Prozent der Deutschen beurteilen diese als "gut" oder "sehr gut", im Vergleich zu 82 Prozent der Iren, 68 Prozent der Dänen und 65 Prozent der Briten. "Deutschland gehört, was die Lebensqualität seiner Bürger angeht, nicht mehr zur europäischen Spitzengruppe", betonten Dr. Roland Habich (WZB) und Dr. Heinz-Herbert Noll (ZUMA).

Im Bereich Gesundheit zeigen die Ergebnisse, dass die Zahl der Arztbesuche seit Einführung der Praxisgebühr am stärksten bei Personen in der untersten Einkommensgruppe und mit schlechtem Gesundheitszustand zurückgegangen ist. "Es scheint eingetreten zu sein, was manche Kritiker befürchtet haben", sagten Habich und Noll. Gesetzlich Versicherte verfügen zunehmend über eine private Zusatzversicherung. Dies trifft im unteren Einkommensviertel nur auf fünf Prozent zu, im oberen Viertel dagegen bereits auf 22 Prozent.

Die neuen Daten belegen, dass Chancenungleichheit bei der Bildung bereits im Vorschulalter be­ginnt. Die Forscher fanden heraus, dass Migrantenkinder und Kinder aus sozial schwachen Familien Kindergarten oder Vorschule seltener besuchen als Kinder aus Familien mit höherem sozialen Status. Der Befund ist insofern alarmierend, weil die vorschulische Bildung Auswirkungen auf die spätere Schulleistung hat. So haben Migrantenkinder mit vorschulischer Bildung eine zweimal höhere Chance, ein Gymnasium zu besuchen als Migrantenkinder ohne Vorschule. Auch (westdeutsche) Arbeiterkinder haben eine etwa fünf Mal höhere Chance, das Gymnasium zu besuchen, wenn sie den Kindergarten oder die Vorschule besucht haben.

Am herkömmlichen Bild der Familie halten immer weniger Deutsche fest. Der Aussage "Es ist für alle Beteiligten viel besser, wenn der Mann voll im Berufsleben steht und die Frau zu Hause bleibtund sich um den Haushalt und die Kinder kümmert", stimmten 2004 im Schnitt noch 40 Prozent der Westdeutschen und nur 17 Prozent der Ostdeutschen zu. Zum Vergleich: 1991 hatten die Anteile in Ostdeutschland noch 33 Prozent und in Westdeutschland 50 Prozent betragen. Die Erwerbstä­tigkeit von Müttern mit Kleinkindern wird dagegen vor allem in Westdeutschland noch skeptisch beurteilt. Die Aussage "Ein Kleinkind wird sicherlich darunter leiden, wenn seine Mutter berufstätig ist", teilen dort 63 Prozent der Bevölkerung, in Ostdeutschland lediglich 29 Prozent.

Quelle im Internet und weitere Informationen unter: www.wz-berlin.de

------- Eine weitere Mitteilung aus dem Bereich Soziales 2006-------
 

IAB-Studie zur Rente mit 67

Mindestens 1,2 Millionen zusätzliche Arbeitsplätze erforderlich

17.10.2006 - Im Jahr 2030 werden wegen der Anhebung des Rentenalters auf 67 Jahre mindestens 1,2 Millionen zusätzliche Arbeitsplätze benötigt. Der oft prognostizierte Rückgang des Erwerbspersonenpotenzials wird sich erheblich verzögern, zeigt eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).

Unglücklich sei das Zusammentreffen zweier Effekte, schreiben die Autoren der IAB-Studie: Aufgrund der schrittweisen Einführung werde die Rente mit 67 im Jahr 2030 voll zum Tragen kommen. Zeitgleich wachse aber auch die Zahl der hauptsächlich betroffenen 60- bis 66-Jährigen stark an. Zusammen genommen ergebe das eine gewaltige Zunahme an älteren Arbeitskräften. Je nach Reaktion der Betroffenen müssten zwischen 1,2 Millionen und rund drei Millionen Jobs zusätzlich entstehen, damit die Arbeitslosigkeit nicht steige.

Sollten sämtliche Maßnahmen greifen, die einer Frühverrentung entgegenwirken, könnten wegen der Rente mit 67 mehr als drei Millionen zusätzliche Arbeitsplätze benötigt werden. Dieses zusätzliche Potenzial in Beschäftigung zu bringen, wäre eine nicht zu unterschätzende Herausforderung, so das IAB. Gleichzeitig betonen die Nürnberger Arbeitsmarktforscher aber auch, dass man aufgrund der demographischen Entwicklung langfristig kaum um eine Anhebung des Rentenalters herumkomme. Ältere Fachkräfte würden für die Betriebe zunehmend eine wichtige personelle Ressource darstellen.

Von zentraler Bedeutung sei, die Beschäftigungsfähigkeit Älterer zu fördern. Mit höherem Qualifikationsniveau steige der Verbleib im Erwerbsleben. Während zwei Drittel der Hochschulabsolventen und mehr als die Hälfte der Meister und Techniker noch im Alter von 60 bis 64 Jahren erwerbstätig sind, ist es bei den Personen ohne Berufsabschluss nicht einmal jeder Vierte. Bei einer Rente mit 67 könnten damit einerseits viele gut Qualifizierte zusätzlich zur Verfügung stehen. Andererseits wäre auch mit einer größeren Zahl an Problemfällen zu rechnen. Ungelernte würden schon heute die größten Arbeitsmarktrisiken tragen. Bereits mit 50 fänden viele keine Arbeit mehr.

Die Einführung der Rente mit 67 müsse deshalb von Maßnahmen zur Integration älterer Arbeitnehmer begleitet werden, schreiben die Arbeitsmarktforscher in ihrer Studie. Dazu gehören Qualifizierungsmaßnahmen, die auch von den Betrieben stärker mitgetragen werden sollten. Zudem dürfe die Gesundheitsförderung und die Arbeitsplatzgestaltung nicht vergessen werden.

Die Beschäftigungsförderung Älterer reiche jedoch nicht aus. Insgesamt müssten mehr Arbeitsplätze entstehen, damit das zusätzliche Potenzial an älteren Arbeitskräften ohne Verdrängung Jüngerer unterkommt. Eine Politik für mehr Beschäftigung werde somit noch einen längeren Atem haben müssen, so die IAB-Studie.

Quelle im Internet und weitere Informationen unter: www.iab.de


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Weitere Themen: 78, 79, 80, 81, 82, 83, 84, 85

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