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Maisanbau für Biogasanlagen führt zu Monokulturen


Kritik an Maisanbau in Monokulteren

NABU Niedersachsen kritisiert Auswüchse bei Energie aus Biomasse

Baumert: "Gülle ist out - Mais ist in!"

Hannover, 2. November 2006 - Der NABU Niedersachsen hat die Auswüchse bei Erzeugung von Energie aus Biomasse kritisiert. Mais wird in großflächigen Monokulturen als Energiepflanze angebaut mit den Folgen, dass die Artenvielfalt zerstört wird, Kleinlebewesen in Boden und Gewässern absterben sowie Bodenstrukturen durch fehlende Fruchtfolgen veröden. Stilllegungsflächen und Dauergrünland werden vielfach zunehmend als Maisanbauflächen genutzt.

"Energie aus Biomasse ist eine gute Sache", erklärte Uwe Baumert, NABU Biomasse-Experte, "aber Gülle ist out, Mais ist in. Der zunehmende Maisanbau ist ein großer Knackpunkt. Es findet eine dramatische Umnutzung unserer niedersächsischen Landschaft statt, die noch nie so abträglich für Mensch und Natur sowie für Raum und Umwelt war." Die Flächenkonkurrenz zwischen Energiepflanzenanbau, Lebensmittelproduktion und Naturschutz gefährde bäuerliche Strukturen. Zudem stehe die Akzeptanz in der Bevölkerung auf dem Spiel, betonte Uwe Baumert.


Energie aus Biomasse: Chancen - Risiken - Nebenwirkungen

Regenerative Energien sind eine Herzensangelegenheit des Naturschutzes und unverzichtbar. Da jede Form der Energienutzung mit Eingriffen in Natur und Umwelt verbunden ist, muss ihre praktische Umsetzung kritisch begleitet werden.

Der ursprünglich gute Ansatz für den Einsatz von Biomasse zur Energieerzeugung sah die Verwertung von Mähgut extensiv genutzter Flächen, von Reststroh und -holz vor. Insbesondere war die sinnvolle Nutzung der problematischen, riesigen Überkapazitäten von Gülle aus der Intensivtierhaltung vorgesehen. Der Anbau von nachwachsenden Rohstoffen (NaWaRo) für die Erzeugung von Strom und Biokraftstoffen sollte Landwirten die Existenz sichern und bäuerliche Strukturen erhalten helfen.

Das EEG (Erneuerbare Energieneinspeisungsgesetz) mit 20-jähriger gesicherter Förderung löste einen Boom bei der Errichtung von Biogasanlagen aus. In Niedersachsen gibt es derzeit 480 Anlagen, bis Ende des Jahres 2006 werden es etwa 600 sein.

Gülle ist out und Mais ist in!

Denn: Mais erbringt den größten Methanertrag, somit die größte Stromausbeute und damit den höchsten Gewinn. Deshalb wird in der Praxis fast nur Mais zur Biogaserzeugung verwendet, entgegen stets wiederholten Aussagen von Interessenvertretern, Medien und Behördenvertretern. Andere Rohstoffe spielen allenfalls in der Forschung eine Rolle. Das Problem mit den enormen Güllemengen bleibt bestehen! Einige besorgniserregende Fakten: In Niedersachsen läuft bereits ein Großteil der Anlagen ohne Gülle. Auf Stilllegungsflächen wird Mais für Biogasanlagen angebaut! Angeblich verhindern Cross Compliance, Fruchtfolge und die 'gute fachliche Praxis' dauerhafte Monokulturen. Im Landkreis Rotenburg (Wümme) wird auf über 40 Prozent, im Landkreis Bentheim auf bereits 50 Prozent der Ackerflächen Mais angebaut, also heute schon reine Monokulturen. Eine 500 KW-Anlage erfordert 250 Hektar Mais.

'Klotzen statt Kleckern'

Die Anlagen werden immer größer. Investorengesellschaften und Fonds haben den Markt entdeckt, schnelle Amortisation und höchstmöglicher Profit bestimmen die Praxis. Kleinanlagen als weiteres Standbein für die Landwirte und als mögliche Exportschlager sind überholt. Dauerhafte Monokulturen - Mais für Biogasanlagen und Raps zur Kraftstoffgewinnung - so sieht derzeit die Praxis aus, mit all ihren negativen Folgen für Natur und Umwelt.

Ohne Änderung der Förderrichtlinien steht uns in Deutschland für das Jahr 2030 eine Horrorvision von je vier Millionen Hektar Mais- und Rapsmonokulturen bevor bei insgesamt 11,7 Millionen Hektar Ackerfläche. Artensterben, der Verlust von Biodiversität und die Vernichtung ganzer Ökosysteme sind die Folgen.

'Landschaftserleben' findet dann in Maiswäldern von acht bis neun Meter hohem Supermais statt. Maiszüchtungen südamerikanischer Sorten erreichen in Deutschland aufgrund längerer Vegetationszeiten bereits heute eine Höhe von 5,50 Meter. Die Hemmschwelle, genveränderte Sorten anzubauen, fällt bei der Verwertung von Mais in Biogasanlagen.

Die große Masse der bei der Biogaserzeugung anfallenden Wärme geht zudem einfach in die Luft. Eine zusätzliche Vergütung von 2 Cent je anfallender Kilowattstunde fördert deren Nutzung. Dies wird aber vielfach nicht umgesetzt mit den Folgen: Verschwendung, Belastung des Klimas sowie betriebswirtschaftlich bedenklich.

Der massenhafte Anbau von Mais und Raps als Biomasse zur Energieerzeugung verdrängt bald auch die letzte Stilllegungsfläche. Das führt zu der Frage, wo bleiben die für die Natur so wichtigen Brachflächen? Intensiver Maisanbau bedeutet Flächenkonkurrenz und treibt die Pachtpreise in die Höhe, im Landkreis Bentheim werden bereits 850 Euro pro Hektar gezahlt. Und: Die heimische Lebensmittelproduktion wird verdrängt. Übrigens: Gülle verbraucht keine Flächen!

Die Anbaufläche von Mais in Deutschland liegt bei über 2 Millionen Hektar - eine Verdreißigfachung in den letzten 50 Jahren. Ein wahres Schlaraffenland für Wildschweingroßfamilien!! Folgen sind erhebliche Schäden durch Verwüstungen auf den Anbauflächen und in angrenzenden Bereichen, zudem die große Gefahr von Seuchenzügen der Schweinepest und vermehrte Wildunfälle.

Energie aus Biomasse ist grundsätzlich eine faszinierende Idee, aus wirtschaftlicher als auch aus ökologischer Sicht. Aber: Gut gemeint ist längst nicht gut gemacht! Um die Akzeptanz in der Bevölkerung zu erhalten, darf eine an sich gute Sache nicht dermaßen pervertiert werden.

Lösungsmöglichkeiten für die Zukunft

 
Quelle im Internet und weitere Informationen unter: niedersachsen.nabu.de


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Sie haben eine Frage zum Thema "Maisanbau für Biogasanlagen" oder zum Thema "Monokulturen"? Sie möchten mehr über Energie aus Biomasse erfahren? Über einige Themen können wir auch nur berichten, doch einige Antworten auf häufig gestellte Fragen finden Sie unter dem Stichpunkt Glossar und einige weiterführende Erläuterungen unter Brennpunkte I und II. An der Erweiterung dieser Stichpunkte und Rubriken arbeiten wir.