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Biogasanlage - Vom Landwirt zum Energiewirt!


Zuwendungsbescheid für Biogasanlage

Ein zukunftsweisender Schritt: Vom Landwirt zum Energiewirt!

Saarland, Ministerium für Umwelt

Umweltstaatssekretär Rainer Grün übergibt Zuwendungsbescheid für Biogasanlage auf dem Markushof in Losheim

06.10.2006 - Auf dem Markushof der Familie Selzer zwischen Losheim und Rissenthal entsteht die bislang größte saarländische Biogasanlage. Im Rahmen des offiziellen Veranstaltungsprogramms zum Tag der offenen Baustelle überreichte Umweltstaatssekretär Rainer Grün den Zuwendungsbescheid für die Biogasanlage an die beiden Geschäftsführer der Ökostrom Saar Biogas Losheim KG, Thomas Nägler und Heiko Hoff, die die Planung und Realisierung der Biogasanlage maßgeblich voranbringen. Das Umweltministerium bezuschusst die Biogasanlage als Pilotprojekt mit Modellcharakter mit einem Zuschuss in Höhe von 100 000 Euro.

"Ich freue mich, der ÖkoStrom Saar GmbH den entsprechenden Zuwendungsbescheid überreichen zu können. Das Umweltministerium unterstützt die saarländischen Landwirte und begleitet sie auf ihrem Weg vom Landwirt zum Energiewirt. Hierfür bietet das Umweltministerium interessante Förderprogramme, mit denen die Landwirte für die Nutzung von Biogas aus Biogasanlagen in Kraft-Wärme-Kopplung gewonnen werden sollen", so Grün. "Leider ist im Saarland von diesen Angeboten bisher noch wenig Gebrauch gemacht worden", so Rainer Grün. "Dabei ist Biogas ein hochwertiger Energieträger, der in Blockheizkraftwerken zur kombinierten Strom- und Wärmeerzeugung eingesetzt werden kann. Ich hoffe, dass diese Modellanlage, die auf dem Markushof der Familie Selzer errichtet wird, zu einem Leuchtturm für andere wird und dass sich viele andere Landwirte von diesem Licht den Weg in die Zukunft zeigen lassen."

Im Juli haben die Bauarbeiten für die bisher größte Biogasanlage im Saarland auf dem Markushof zwischen Losheim und Rissenthal begonnen und laufen seitdem auf Hochtouren. Der Abschluss der Bauarbeiten ist noch für dieses Jahr vorgesehen, so dass der Strom aus Biogas noch in diesem Jahr vom Markushof aus in das öffentliche Stromnetz eingespeist wird.

Gut 500 Kilowatt Leistung werden die beiden Generatoren erzeugen, und das praktisch rund um die Uhr. Gefüttert durch Gülle und nachwachsende Rohstoffe können dann pro Jahr etwa 3,8 Millionen Kilowattstunden sauberer Strom erzeugt werden, die den Strombedarf von rund 1 200 Haushalten decken können. Gleichzeitig fallen erhebliche Wärmemengen an, die zu Trocknungszwecken eingesetzt werden.

Das Besondere an diesem nachhaltigen 2,4 Millionen Euro schweren Energieprojekt: Die Finanzierung geschieht zum Teil über den Verkauf von Anteilscheinen an interessierte Bürgerinnen und Bürger. Ab 5 000 Euro ist ein Einstieg möglich, für Bewohner des Landkreises Merzig-Wadern sogar schon ab 3 000 Euro.

Angesichts der immer knapper werdenden Reserven fossiler Energieträger auf der Erde wird der Erzeugung von Energie aus landwirtschaftlicher Biomasse zukünftig eine immer größere Bedeutung zukommen: Biomasse ist Träger gespeicherter Sonnenenergie und demzufolge rund um die Uhr gleichmäßig verfügbar -und das sogar unabhängig von kurzfristigen Angebotsschwankungen, wie bei Windkraft oder auch Solarenergie.

"Im Gegensatz zu den nur begrenzt vorhandenen fossilen Ressourcen sind nachwachsende Rohstoffe in unseren heimischen Regionen auf dem Feld, im Wald und auf der Wiese in großer Menge vorhanden und wachsen immer wieder nach. Dabei weisen sie eine ganze Reihe von ökologischen und ökonomischen Vorteilen auf: Bei der Verbrennung oder Kompostierung geben sie nur so viel Kohlendioxid ab, wie sie vorher beim Wachstum aufgenommen haben. Sie wärmen deshalb die Atmosphäre nicht unnötig auf und leisten einen wichtigen Beitrag zum globalen Klimaschutz", so Rainer Grün.

Nachwachsende Rohstoffe sind regional verfügbar und werden in der Regel direkt vor Ort verarbeitet und verwertet. Somit werden unnötige Transportwege vermieden, zugleich wird die Wirtschaftskraft in der Region und damit der ländliche Raum gestärkt.

In diesem Zusammenhang verwies Grün auch auf die Initiative des Saarlandes im Bundesrat: Der Entschließungsantrag, den das saarländischen Umweltministerium auf den Weg gebracht hat, fordert, dass die in Deutschland geltenden Regelungen dahingehend überarbeitet werden, dass nur solche pflanzlichen Öle dem Kraftstoff beigemischt bzw. in Anlagen nach dem EEG eingesetzt werden dürfen, die entweder in der EU erzeugt werden und bei außerhalb der EU erzeugten pflanzlichen Ölen nachgewiesen werden muss, dass sie nach einem in der EU oder international anerkannten Zertifizierungssystem aus nachhaltigen und naturverträglichem Anbau stammen.

"Dennoch sollten bei aller Euphorie nicht die Ziele einer nachhaltigen Landwirtschaft aus den Augen verloren werden. Mit Sorge beobachte ich eine Entwicklung, die sich in Asien und zunehmend auch in Südamerika abspielt. Dort wird schon seit Jahren der tropische Regenwald durch übermäßigen und durch Brandrodung zerstört, um auf diesen Flächen nachwachsende Rohstoffe insbesondere durch die Anlegung von Palmölplantagen zu erzeugen", so Rainer Grün. "Diese Wirtschaftsweise steht in eklatantem Widerspruch zu den weltweiten Bemühungen um den Klimaschutz und den Erhalt der tropischen Regenwälder. Nicht hinnehmbar erscheint mir, wenn diese Verfahrensweise noch dadurch gefördert wird, dass dieses Palmöl nach den Regeln des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes zum Einsatz in Kraftwerken bezuschusst wird.

Sowohl im Agrarausschuss wie auch im Umweltausschuss des Bundesrates war dieser Antrag in der vergangenen Woche mit großer Mehrheit angenommen worden und wird jetzt in der kommenden Woche am 13. Oktober Thema des Bundesrates sein.

Nähere Informationen zur Biogasanlage auf dem Markushof erhalten Sie bei Thomas Brill (Telefon: 0 68 61/83 90 1 30, E-Mail: thomas.brill[@]oekostrom-saar.de).

Quelle im Internet: www.umwelt.saarland.de


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