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Der Baikalsee und die Ölpipeline


Weltnaturerbe Baikalsee und der Bau einer Ölpipeline

Neue Route der Ölpipeline verteuert Bauvorhaben um rund 2 Milliarden Dollar.

Stendal, 04.10.2006 - Der Baikalsee, ein einmaliges Weltnaturerbe der UNESCO, war bis vor wenigen Monaten noch durch den geplanten Bau einer Ölpipeline massiv bedroht. Im Falle eines Schadens an dieser geplanten Ölpipeline, die nur wenige hundert Meter am See vorbei führen sollte, wäre der Baikalsee unzweifelhaft stark in Mitleidenschaft gezogen worden sowie ein Teil seiner einmaligen Fauna und Flora der Verpestung durch Öl hilflos ausgesetzt. Selbst die UNESCO stand dem Projekt der Ölpipeline mehr als nur skeptisch gegenüber und zog in Betracht, falls die Ölpipeline zu nahe am Baikalsee gebaut würde, diesen als Weltnaturerbe aus der Liste der Welterbestätten zu streichen.

Die russische Umweltaufsichtsbehörde hatte im Vorfeld der Planungen das Vorhaben anfänglich zurück gewiesen, dann jedoch dem Bau der Ölpipeline zugestimmt. Auch der Oberste Gerichtshof Russlands hatte entschieden, dass diese umstrittene Ölpipeline vom russischen Unternehmen Transneft gebaut werden darf. Vermutlich rechnete weder die russische Umweltaufsichtsbehörde, noch der Oberste Gerichtshof Russlands mit den weltweiten Protestaktionen, die diese Entscheidungen nach sich zogen. Protestaktionen von Umwelt- und Naturschutzorganisationen, die sich für den Schutz des Baikalsees einsetzten.

Im Juli 2006 sollten die Bauarbeiten an der über 4.000 Kilometer langen Ölpipeline durch Transneft beginnen. Transneft ist ein staatliches russisches Unternehmen, das die Ölpipelines Russlands unterhält und betreibt. Sinn und Zweck dieser Ölpipeline ist es, nach Fertigstellung pro Jahr etwa 80 Millionen Tonnen Öl aus Westsibirien bis ans Japanische Meer zu befördern.

In der ursprünglichen Variante der Planung sollten die Baukosten der Ölpipeline etwa 11,5 Milliarden Dollar betragen. Bei einer Verschiebung der Ölpipeline um einige Hundert Kilometer weg vom Baikalsee würden sich diese Baukosten erheblich verteuern. Diese Verschiebung würde nicht nur die Rohrleitung verlängern, sondern es müssten auch zusätzlich cirka 1700 Kilometer Stromnetz durch die Gesellschaft Transneft neu erschlossen werden. Die Gesamtkosten des Bauvorhabens der Ölpipeline würden sich dadurch um rund zwei Milliarden Dollar erhöhen.

Bei der ursprünglichen Variante wäre zwar kein zusätzliches Stromnetz in dieser Länge erforderlich gewesen, auch werden letztendlich die Tarife für die Beförderung des Öls entsprechend der Verteuerung des Bauvorhabens steigen. Derzeit rechnen Experten mit einer Preissteigerung von etwa 1,5 Dollar pro beförderte Tonne Erdöl. Bei dieser Prognose wurde der Bau einer zusätzlichen 1700 Kilometer langen Stromleitung einkalkuliert, wobei jeder Kilometer dieses 220-Kilowatt-Stromnetzes rund eine Million Dollar an zusätzlichen Baukosten verschlingen würde.

Experten gehen jedoch davon aus, dass die großen Ölförderunternehmen dennoch keine Einbußen haben. Zwar würde der Beförderungspreis je Tonne Erdöl sich erhöhen, doch die neue Route der Ölpipeline reicht weiter an den derzeitigen Öllagerstätten heran. Die Ölförderunternehmen müssen nun keine Rohrfernleitungen von den Vorkommen und Lagerstätten bis zur Ölpipeline mehr bauen, bzw. diese Rohrfernleitungen würden sich nun um cirka 500 bis 700 Kilometer verkürzen.

Nach letzten Verlautbarungen vertritt der stellvertretende russische Minister für Naturressourcen Alexej Warlamow die Meinung, dass die neue Route der geplanten Ölpipeline die Möglichkeit bieten würde, mehr Erdöl durch die Pipeline zu pumpen. Als Grund hierfür sei zu berücksichtigen, dass dieser neue Streckenverlauf der Ölpipeline über Öl- und Gaslagerstätten verlaufen würde, die bisher noch nicht erschlossen sind. Erste Planungen zur Erschließung liefen jedoch im russischen Ministerium für Naturressourcen.

Wie dem auch sein mag, der Baikalsee scheint erst einmal als UNESCO Weltnaturerbe vor den schlimmsten Gefahren und Umweltfrevel geschützt zu sein.

------- Eine weitere Mitteilung zum Thema Baikalsee 2006 -------
 

Deutsche und russische Wissenschaftler am Baikalsee

Stendal, 04.10.2006 - Zehn Jahre einer fruchtbaren Zusammenarbeit von deutschen und russischen Wissenschaftlern am Baikalsee wurde im September erst einmal beendet. Eine internationale Konferenz "Weltnaturerbe Baikalsee" hatte aus diesem Anlass in Irkutsk, einer Stadt in Sibirien, stattgefunden.

Unter anderen meldete sich Alexander Antipow, Direktor des Geographischen Institutes der Abteilung Sibirien der Akademie der Wissenschaften zu Wort und erklärte, dass Deutschland wohl überlegt als Partner gewählt wurde. Deutschland gilt zumindest in Russland als ein Land, welches Maßstäbe im Umweltschutz setzt.

Die parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit Astrid Klug, die ebenfalls in Irkutsk anwesend war, brachte zum Ausdruck, dass es nicht damit abgetan sei, die Region Baikal und den Baikalsee unter Schutz zu stellen, sondern dieser Schutz müsste auch in der Realität gewährleistet sein.

Das Schutzgebiet Baikal einschließlich dem Baikalsee ist 88.000 Quadratkilometer groß und damit das größte Weltnaturerbe in Russland und das viertgrößte in der Welt.

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Weitere Themen: 98, 99, 200, 01, 02, 03, 04, 05

Hinweise zur Ausstellung:

» Kartographie und Kunst als bunte Klimazeugen (nur noch bis 6. Oktober 2006)

Sie haben eine Frage zum Thema "Baikalsee, Umwelt und Natur" oder Sie möchten wissen, was bedeutet das Wort Ökologie, was ist ein Biosphärenreservat, oder welche Bedeutung hat die Geobotanik und Landschaftsökologie? Einige Antworten auf interessierende Fragen aus dem großen Bereich der Fotografie finden Sie in der Rubrik "Foto Spezial", an deren Erweiterung und Ausbau wir stetig arbeiten.