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Künstlerdienste sollen halbiert werden


Künstlerdienste vermitteln Künstlerinnen und Künstler
und leisten gute Arbeit

Bundesagentur für Arbeit: Künstlerdienste sollen halbiert werden

Deutscher Kulturrat fordert die Bundesagentur für Arbeit auf, die Standorte des Künstlerdienstes in Frankfurt/Main, Halle, Hannover, Rostock und Stuttgart nicht zu schließen

Berlin, den 08.09.2006. Die Bundesagentur für Arbeit will über die Hälfte ihrer Künstlerdienste schließen. Bislang werden in neun Künstlerdiensten - in Berlin, Frankfurt/Main, Halle, Hamburg, Hannover, Köln, München, Rostock und Stuttgart - Künstler in ein abhängiges Beschäftigungsverhältnisse vermittelt. Über die Hälfte dieser Standorte und zwar Frankfurt/Main, Halle, Hannover, Rostock und Stuttgart soll nun geschlossen werden.

Die Künstlerdienste vermitteln Künstlerinnen und Künstler aus den Bereichen Orchester, Bands, Musiker; Show, Artistik, Entertainment; Kleindarsteller, Statisten und Komparsen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Künstlerdienste kommen oftmals selbst aus den Branchen und sind daher mit den spezifischen Anforderungen dieses Segments des Kulturarbeitsmarktes bestens vertraut. Die Künstlerdienste wissen um die Anforderungen der Veranstalter ihrer Region und kennen die Qualifikationen der bei ihnen gemeldeten Künstlerinnen und Künstler.

Anlass für die Schließung der Künstlerdienste ist die Prüfungsmitteilung des Bundesrechnungshofs aus dem Jahr 2005. Hier hat der Bundesrechnungshof festgestellt, dass die Künstlerdienste oftmals in selbständige Tätigkeit vermitteln und dass sie besondere Aufwendungen für Künstler übernehmen, die den Arbeitgebern nicht in Rechnung gestellt werden. Zu den besonderen Aufwendungen gehören z.B. die Versendung von Audio- oder Videomaterial zur Vorstellung der Künstler. Ebenso wird kritisiert, dass Mitarbeiter der Künstlerdienste Künstlerinnen und Künstler zu Auftritten begleiten, um sie zu begutachten. Weiter bemängelt der Bundesrechnungshof, dass die Künstlerdienste zumeist in kurzfristige Beschäftigungsverhältnisse vermittelt haben. Er schließt daraus, dass die Künstlerdienste daher nicht zum Abbau der Arbeitslosigkeit beitragen.

Der Bundesrechnungshof verkennt bei seiner Betrachtung, dass die kurzzeitige Beschäftigung gerade das Typische an den künstlerischen Berufen ist, die durch die Künstlerdienste vermittelt werden und dass die Übergänge zwischen kurzfristiger Beschäftigung und selbständiger Tätigkeit im Kulturbereich teilweise fließend sind. Veranstalter suchen eben nicht für eine längerfristige Beschäftigung einen Künstler, sondern für einen spezifischen Auftritt. Dass die Mitarbeiter der Künstlerdienste sich zuvor vergewissern, dass die von ihnen vermittelten Künstler auch tatsächlich über die geforderten Qualifikationen verfügen, ist eine Selbstverständlichkeit. Dazu gehört, dass sie Künstler bei Auftritten begutachten. Ebenso ist es selbstverständlich, dass sich Veranstalter anhand von Audio- und Videomaterial ein Bild von den Künstlerinnen und Künstlern machen müssen. Die Kosten für dieses Material den Veranstaltern in Rechnung zu stellen, geht an der Realität dieses Arbeitsmarktes vollständig vorbei.

Die Künstlerdienste als Teil der Bundesagentur für Arbeit haben in den 50 Jahren ihres Bestehens eine gute und wichtige Arbeit geleistet. Die beabsichtige Schließung von fünf der neun Standorte des Künstlerdienstes in Deutschland wird dazu führen, dass weniger Künstlerinnen und Künstler in Arbeit vermittelt werden.

Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, sagte: "Es scheint so, als wollten die Rechnungshöfe das Halali auf den Kulturbereich blasen. Erst war die Stiftung Preußischer Kulturbesitz dran, dann die Staatsgalerie Stuttgart und nun die Künstlerdienste der Bundesagentur für Arbeit. Gemeinsam ist allen Vorschlägen, die von den Rechnungshöfen gemacht werden, dass sie an der Realität des Kulturbereiches vorbeigehen. Es ist vollständiger Unsinn, Teile der Sammlung der Staatsgalerie Stuttgart zu verkaufen, wie es der baden-württembergische Rechnungshof unlängst vorschlug und es ist ebenfalls vollständiger Unsinn, die Arbeit der Künstlerdienste einzuschränken, wie der Bundesrechnungshof es verlangt. Die Landesregierung in Baden-Württemberg hat den Vorschlag zum Ausverkauf der Staatsgalerie Stuttgart zurückgewiesen. Wir fordern die Bundesagentur für Arbeit auf, diesem guten Beispiel zu folgen und die Standorte des Künstlerdienstes in Frankfurt/Main, Halle, Hannover, Rostock und Stuttgart nicht zu schließen."

Quelle im Internet: www.kulturrat.de

------------- Weitere Mitteilungen aus dem Bereich Kultur ------------
 

Gefährdung von Bürgerinitiativen gegen Rechtsradikalismus

Akademie der Künste warnt vor Gefährdung von Bürgerinitiativen gegen Rechtsradikalismus

14. September 2006 - Die Akademie der Künste warnt davor, die weitere Finanzierung von Projekten gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit auszusetzen. Mit einer Veränderung des Förderkonzepts des Bundes droht Netzwerkstellen, Initiativen und Projekten gegen Rechts zum Jahresende das Aus. Bestehende Strukturen könnten in der drohenden Finanzierungslücke aufgelöst werden oder bewährte Mitarbeiter verlieren.
Daß über Monate die Finanzierung dieser gesellschaftlich dringend notwendigen Projekte ausgesetzt werden soll, kann nur den rechten Parteien und "Kameradschaften" nützen und der Jugendarbeit engagierter Bürger nachhaltigen Schaden zufügen.

Die Akademie der Künste engagiert sich seit über einem Jahrzehnt für die Stärkung von Jugendinitiativen gegen rechte Gewalt in Brandenburg. Mitglieder der Akademie haben an zahlreichen Lesungen, Filmaufführungen und Diskussionsabenden in Jugendklubs und Schulen in Brandenburg teilgenommen, um vor allem in jenen Regionen Aufklärungsarbeit zu unterstützen, in denen die Zivilgesellschaft kaum noch zum Zuge kommt.

Die Akademie der Künste appelliert vor den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus und zum Landtag von Mecklenburg-Vorpommern, die gesellschaftlichen Widerstandskräfte gegen Rechtsextremismus zu unterstützen und bewährte Strukturen zu schützen statt in Frage zu stellen. Der drohende Einzug von NPD- und DVU-Kandidaten in Landes- und Bezirksparlamente darf nicht von Inaktivität und Finanzierungsunsicherheit in der Politik des Bundes und der Länder begleitet werden.

Quelle im Internet und weitere Informationen: www.adk.de


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Weitere Themen: 58, 59, 60, 61, 62, 63, 64, 65

Hinweise zur Ausstellung:

» Kartographie und Kunst als bunte Klimazeugen (bis 6. Oktober 2006)
» Walter Benjamins Archive - Bilder, Texte und Zeichen (bis 19. November 2006)
» "Lichtschächte" in Zollerns Maschinenhalle (bis 4. März 2007)

Sie haben eine Frage zum Thema "Künstlerdienste" oder zum Thema "Bürgerinitiativen" oder Sie möchten wissen, was ist eine Collage, was ist eine Vernissage, oder was bedeutet das Wort Impressionismus? Einige Antworten auf Fragen aus dem Bereich Kunst und Kultur finden Sie unter dem Stichpunkt Glossar, an dessen Erweiterung wir stetig arbeiten.