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Bevölkerungsentwicklung in Deutschland bis 2050


"Bevölkerungsentwicklung Deutschlands bis zum Jahr 2050"
Pressekonferenz am 6. Juni 2003 in Berlin

Statement von Präsident Johann Hahlen

- Es gilt das gesprochene Wort -

 
Sehr geehrte Damen und Herren,

die Zahl der älteren Einwohner nimmt in Deutschland stetig zu. Während die durchschnittliche Lebenserwartung Anfang des 20. Jahrhunderts bei etwa 46 Jahren lag, ist heute - 100 Jahre später - die Hälfte unserer Gesellschaft älter als 40.

Dies ist die unmittelbare Folge einer demographischen Entwicklung, die sich im letzten Jahrhundert vollzog: wachsende Lebenserwartung einerseits und sinkende Geburtenhäufigkeit andererseits. Wie man diese Entwicklung auch bewerten mag, unbestreitbar ist, dass die gravierenden Veränderungen in der Altersstruktur unsere Gesellschaft vor neue und große Herausforderungen stellt.

Die Bevölkerungsvorausberechnungen des Statistischen Bundesamtes machen zunächst kaum merkbare, jedoch "vorprogrammierte" künftige Veränderungen sichtbar und zeigen deren Größenordnung auf. Damit liefern sie wesentliche Basisinformationen für zukunftsgerichtete politische Entscheidungen.

Aus diesem Grund führt das Statistische Bundesamt seit fast 40 Jahren koordinierte Bevölkerungsvorausberechnungen durch. Eine "koordinierte" Vorausberechnung liefert sowohl für Deutschland insgesamt als auch für die einzelnen Bundesländer Ergebnisse, die auf abgestimmten Annahmen und gleichen Berechnungsmethoden für Bund und Länder beruhen.

Die 10. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung, deren Ergebnisse für Deutschland ich Ihnen heute vorstelle, geht vom Bevölkerungsstand zum 31.12.2001 aus und reicht bis zum Jahr 2050.

 
1. Grundlagen

Die Bevölkerungsvorausberechnungen sind keine Prognosen, welche die Zukunft vorhersagen. Ihr Ziel ist es, mit Fortschreibungsverfahren aufzuzeigen, wie sich Bevölkerungszahl und -struktur unter bestimmten Annahmen langfristig entwickeln würden.

Für die 10. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung wurden - wie üblich - Annahmen zu Geburtenhäufigkeit, Sterblichkeit und Wanderungen getroffen. Wie die Annahmen im Einzelnen begründet sind, ist in der Pressebroschüre ausführlich erläutert. Aus Zeitgründen möchte ich darauf hier nicht eingehen. Da aber eine Bevölkerungsvorausberechnung ohne Kenntnis der getroffenen Annahmen nicht aussagekräftig ist, werde ich die verschiedenen Annahmen kurz nennen:

» Die Geburtenhäufigkeit bleibt im früheren Bundesgebiet auf ihrem niedrigen Niveau von 1,4 Kindern pro Frau. Für die neuen Länder wird von einem allmählichen Anstieg der dort zurzeit noch niedrigeren Geburtenhäufigkeit von durchschnittlich 1,2 Kindern pro Frau auf das Niveau des früheren Bundesgebiets bis 2010 ausgegangen. Ab 2011 wird eine Konstanz der Geburtenhäufigkeit für Gesamtdeutschland bei durchschnittlich 1,4 Kindern pro Frau bis zum Jahr 2050 angenommen.

» Die Lebenserwartung nimmt weiter zu. Es wurden insgesamt drei Annahmen zur Entwicklung bis zum Jahr 2050 getroffen (siehe Anhang Übersicht 1, im Tabellenkopf):

Nach der niedrigsten Annahme (L1) beträgt die Lebenserwartung bei Geburt im Jahr 2050 für Jungen 78,9 und für Mädchen 85,7 Jahre, das sind 4 bzw. 5 Jahre mehr als heute. Die mittlere Annahme (L2) geht von einem Anstieg der Lebenserwartung bei Geburt auf 81,1 Jahre bei Jungen und auf 86,6 Jahren bei Mädchen aus, rund 6 Jahre mehr als heute. Die höchste angenommene Lebenserwartung (L3) ist um mehr als 7 Jahre höher als heute und liegt für Jungen bei 82,6 und für Mädchen bei 88,1 Jahren.

Die Lebenserwartung für ältere Menschen fällt noch höher aus als diejenige für Neugeborene, weil die Risiken, früh zu sterben, bereits überwunden sind. Nach der mittleren Annahme (L2) werden 2050 für 60-jährige Männer noch etwa 24 und für gleichaltrige Frauen etwa 28 weitere Lebensjahre erwartet.

Für die Entwicklung in den neuen Ländern wurde angenommen, dass sich die zurzeit noch niedrigere Lebenserwartung ab 2020 nicht mehr von der Lebenserwartung im früheren Bundesgebiet unterscheidet.

» Bei den Annahmen für die Außenwanderung wird nach deutschen und ausländischen Personen unterschieden, da für beide Gruppen unterschiedliche Bestimmungsfaktoren gelten. Zum Wanderungsverhalten der ausländischen Bevölkerung werden drei Annahmen gemacht: In den beiden ersten Annahmen wird von einem jährlichen Wanderungsüberschuss von 100 000 (W1) sowie von 200 000 (W2) Personen ab 2003 ausgegangen. Mit dieser Spanne ist der langjährige Durchschnitt der Außenwanderungen ausländischer Personen abgebildet. Es ist aber auch denkbar, dass sich in einigen Jahren mit dem fortschreitenden Alterungsprozess der Bevölkerung Deutschlands eine höhere Zuwanderung ergibt, zumal es mit der Erweiterung der Europäischen Union und der ab dem Jahr 2011 zu erwartenden vollständigen Freizügigkeit für Arbeitskräfte aus den Beitrittsstaaten zu zusätzlichen Wanderungen nach Deutschland kommen kann. Daher wird eine dritte Annahme (W3) getroffen, in der sich ab 2011 der jährliche Wanderungssaldo von 200 000 auf 300 000 Personen erhöht. Die angenommenen Wanderungssalden werden in allen drei Fällen nur als langfristiger Durchschnitt angesehen.

Die Zuwanderung Deutscher wird in allen drei Varianten gleich angesetzt: Der Wanderungssaldo geht von aktuell etwa 80 000 pro Jahr auf 30 000 im Jahr 2010 zurück, verringert sich in zwei weiteren Stufen und wird ab dem Jahr 2040 ausgeglichen sein.


Insgesamt ergeben sich neun Varianten der Bevölkerungsvorausberechnung, die in der Übersicht 1 im Anhang dargestellt sind.

Die Unterschiede zur letzten 9. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung aus dem Jahr 2000, die auf dem Bevölkerungsstand zum 1.1.1998 basierte, bestehen vor allem in den Annahmen zur Lebenserwartung. In der 9. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung hatte es dazu nur zwei Annahmen gegeben: eine Grundannahme, die etwa der niedrigsten Annahme in der heute vorgestellten 10. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung entspricht, und eine Zusatzannahme mit höherer Lebenserwartung (für Jungen 80,1 und für Mädchen 86,4 Jahre) mit ähnlichen Werten, wie sie jetzt die mittlere Annahme der aktuellen 10. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung aufweist. Die aktuelle Vorausberechnung sieht zudem eine weitere Annahme (L3) mit einem noch höheren Anstieg der Lebenserwartung vor.

Zur Außenwanderung hatte die 9. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung nur zwei Varianten (langfristige jährliche Salden von 100 000 bzw. 200 000) enthalten; allerdings hatte die 8. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung bereits eine Wanderungsvariante mit einem Saldo von 300 000 berücksichtigt.

Die drei Varianten der 10. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung, deren Annahmen mit denjenigen der 9. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung vergleichbar sind (Varianten 1,2 und 5) weisen für die Alterung, gemessen am "Altenquotienten", auf den ich später noch näher eingehen werde, im Jahr 2050 nahezu die gleichen Werte auf wie die "9. Koordinierte". Allerdings enthält die 10. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung auch eine höhere Annahme zur Lebenserwartung als die Vorgängerrechnung und kommt so insbesondere in Variante 7 zu einem höheren Altenquotienten. Die Bevölkerungszahl im Jahr 2050 fällt in der neuesten Vorausberechnung höher aus als in der Vorgängerrechnung. Das liegt an der an die tatsächliche Entwicklung angepassten neuen Basis zum 31.12.2001 und den ebenfalls entsprechend der aktuellen Entwicklung vorgenommenen leichten Änderungen der Annahmen, insbesondere zum Verlauf und der Altersstruktur der Wanderungen. Schließlich deckt die 10. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung mit ihren neun Varianten eine größere Bandbreite der möglichen Entwicklung ab als die 9. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung mit drei Varianten und einer Kontrollvariante.

 
2. Bevölkerungsentwicklung bis zum Jahr 2050

Die Grundtendenz der 9. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung wird durch die jetzige, 10. bestätigt: Wir werden im Jahr 2050 in Deutschland weniger Menschen sein und wir werden älter. Anhand der Ergebnisse können wir sehen, wie es zur Alterung kommt und wie der Altersaufbau im Jahr 2050 aussehen könnte.

Alle Varianten der 10. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung zeigen, dass der Trend langfristig in Richtung Schrumpfung der Bevölkerung geht. Je nach Variante schwankt die Bevölkerungszahl im Jahr 2050 zwischen 67 Millionen in der Variante 1 (bei niedriger Zuwanderung und geringster Zunahme der Lebenserwartung) und 81 Millionen in der Variante 9 (bei sehr hoher Zuwanderung und hoher Zunahme der Lebenserwartung). Nach der mittleren Variante der Vorausberechnung, d.h. bei jeweils mittlerer Annahme zur Lebenserwartung (L2) und zum Wanderungssaldo (W2) wird die Bevölkerungszahl nach einem geringen Anstieg auf 83 Millionen ab dem Jahr 2013 zurückgehen und bis zum Jahr 2050 auf das Niveau des Jahres 1963 von gut 75 Millionen Einwohnern absinken. Die Ergebnisse zu den einzelnen Varianten finden sich im Anhang der Broschüre. Im Folgenden werde ich mich - soweit nicht anders angemerkt - auf die mittlere Variante (Variante 5) beziehen.

Die Ursache für den langfristigen Bevölkerungsrückgang liegt in der Abnahme der Zahl der lebendgeborenen Kinder bei einem gleichzeitigen Anstieg der Zahl der Gestorbenen (siehe Anhang Schaubild 1). Das dadurch entstehende Geburtendefizit wird von 94 000 im Jahr 2001 auf fast 600 000 im Jahr 2050 anwachsen und kann durch die angenommenen Wanderungsüberschüsse nicht kompensiert werden.

Die sinkenden Geburtenzahlen folgen auch aus der von Generation zu Generation sinkenden Anzahl junger Frauen: Bei einer Geburtenhäufigkeit von durchschnittlich 1,4 Kindern pro Frau werden die heutigen etwa 30-jährigen Frauen bis zum Ende ihres geburtenfähigen Alters (49 Jahre) weit weniger Kinder zur Welt bringen, als es für den zahlenmäßigen Ersatz ihrer Generation erforderlich wäre (das Bestandserhaltungsniveau liegt bei 2,1 Kindern pro Frau). Die jetzt geborenen Mädchenjahrgänge sind also zahlenmäßig kleiner als die ihrer Mütter. Sind diese Mädchen einmal erwachsen und haben ebenfalls durchschnittlich 1,4 Kinder, wird die künftige Kinderzahl weiter sinken, weil dann auch weniger potenzielle Mütter leben. Die Zahl der Frauen im geburtenfähigen Alter (von 15 bis 49 Jahren) nimmt von 20 Millionen im Jahr 2001 auf 14 Millionen im Jahr 2050 ab. Ihr Anteil an der Bevölkerung insgesamt sinkt ebenfalls, und zwar von 24% auf 19%.

Die Zunahme der Sterbefälle ergibt sich aus der Tatsache, dass die relativ stark besetzten Jahrgänge der heute etwa 30- bis 40-Jährigen während der Vorausberechnungsperiode in hohe Altersgruppen wechseln, die durch entsprechend höhere Sterbewahrscheinlichkeiten gekennzeichnet sind.

Die aktuelle Bevölkerungsstruktur weicht schon lange von der idealen Vorstellung ab, die sich in Form der klassischen Bevölkerungspyramide darstellen lässt: Danach stellen die stärksten Jahrgänge die Kinder, und die Besetzungszahlen der späteren Jahrgänge verringern sich allmählich als Folge der Sterblichkeit. Einen Altersaufbau in Form einer Pyramide hatte z.B. das Deutsche Reich von 1910 (Schaubild 2 im Anhang). 140 Jahre später wird die Bevölkerungspyramide für Deutschland nahezu auf dem Kopf stehen.

Die mittlere Variante der 10. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung zeigt, dass die Hälfte der Bevölkerung im Jahr 2050 älter als 48 Jahre sein wird. Die 12-Jährigen von heute werden die am stärksten besetzten Jahrgänge der dann etwa 60-Jährigen stellen. Der Anteil der 60-Jährigen und älteren erhöht sich von etwa einem Viertel im Jahr 2001 auf mehr als ein Drittel im Jahr 2050.

Allein die 80-Jährigen und älteren werden im Jahr 2050 etwa 9,1 Millionen oder 12% der Bevölkerung stellen. Zum Vergleich: Heute leben 3,2 Millionen Personen dieses Alters in Deutschland, das entspricht knapp 4% der Bevölkerung.

Bei den unter 50-Jährigen dagegen fallen die einzelnen Jahrgänge um so schwächer aus, je jünger sie sind. Die Zahl der geborenen Kinder wird im Jahr 2050 etwa halb so groß sein (52%) wie die der 60-Jährigen. Die absolute Zahl der unter 20-Jährigen sinkt von aktuell 17 Millionen (dies entspricht einem Anteil an der Bevölkerung von 21%) auf 12 Millionen im Jahr 2050 (16%), das wird weniger als die Hälfte der über 60-Jährigen sein.

 
3. Veränderungen in der Altersstruktur der Bevölkerung im Erwerbsalter

Veränderungen in der Altersstruktur ergeben sich auch unter der Bevölkerung im Erwerbsalter, d.h. hier im Alter von 20 bis 64 Jahren. Vor allem die ursprünglich größte mittlere Altersgruppe der 35- bis 49-Jährigen wird deutlich abnehmen. Heute stellt sie mit 20 Millionen Menschen knapp 40% der Bevölkerung im Erwerbsalter (Schaubild 3), im Jahr 2050 wird sie von der Gruppe der 50- bis 64-Jährigen übertroffen. Diese älteste Generation der Erwerbsbevölkerung wird im Unterschied zu der jüngeren und mittleren Generation 2050 zahlenmäßig fast so groß wie heute sein: Während die Zahl der 20- bis 34-Jährigen von 16 Millionen im Jahr 2001 auf 12 Millionen im Jahr 2050 sinkt (- 24%) und die Zahl der 35- bis 49-Jährigen im gleichen Zeitraum von 20 auf 14 Millionen schrumpft (- 31%), nimmt die Gruppe der 50- bis 64-Jährigen lediglich um etwa 400 000 oder 3% ab und umfasst auch im Jahr 2050 über 15 Millionen Menschen.

 
4. Verhältnis zwischen der Bevölkerung im Erwerbs- und Rentenalter

Insbesondere für die Alterssicherung ist das Verhältnis der Bevölkerung im Rentenalter als Gruppe potenzieller Empfängerinnen und Empfänger von Leistungen der Rentenversicherung oder anderer Alterssicherungssysteme zur Bevölkerung im Erwerbsalter wesentlich. Diese Relation wird als Altenquotient bezeichnet. Entsprechend dem bisherigen durchschnittlichen Rentenzugangsalter wird von 60 Jahren als Altersgrenze für das Rentenalter ausgegangen. Als Erwerbsalter wird hier die Spanne von 20 bis 59 Altersjahren angesetzt.

1995 lag der Altenquotient bei 37, 2001 schon bei 44: Das heißt, dass 100 Menschen im Erwerbsalter 44 Personen im Rentenalter gegenüberstanden. Die langfristige Betrachtung zeigt einen weiteren erheblichen Anstieg des Altenquotienten. Nach der mittleren Variante der Vorausberechnung würde der Altenquotient bis 2030 auf 71 emporschnellen und bis 2050 weiter bis auf 78 steigen (Schaubild 4).

Wenn die Menschen nicht mit 60, sondern erst mit 65 Jahren in den Ruhestand wechseln würden, ergäbe sich durch dieses Umschichten der Jahrgänge der 60- bis 65-Jährigen vom Renten- ins Erwerbsalter ein deutlich niedrigerer Altenquotient. Für 2050 wäre dann ein Altenquotient von 55 gegenüber 78 bei dem Rentenzugangsalter von 60 Jahren zu erwarten. Bei einem noch späteren Ausscheiden aus dem Erwerbsleben würde der Altenquotient weiter sinken: Bei 67 Jahren würde der Altenquotient nur 47 betragen - ein etwas höherer Wert als heute bei der Altersgrenze von 60 Jahren. Da aber das tatsächliche durchschnittliche Rentenzugangsalter immer niedriger liegt als die gesetzliche Altersgrenze, könnte der Altenquotient, der für das Rentenzugangsalter von 65 Jahren berechnet wurde, vielleicht das Bild wiedergeben, das entsteht, wenn die gesetzliche Altersgrenze bis 2050 auf 67 Jahre angehoben würde.

Sollte die hier getroffene mittlere Annahme zur ferneren Lebenserwartung tatsächlich zutreffen, wären für 65-Jährige im Jahr 2050 durchschnittlich noch über 19,5 (Männer) bzw. über 23,5 Lebensjahre (Frauen) zu erwarten. Dies entspricht der ferneren Lebenserwartung der 60-Jährigen von heute.

Einen wesentlich geringeren als die Grenze zwischen Erwerbsalter und Ruhestand, aber durchaus spürbaren Einfluss auf die Höhe des Altenquotienten haben Lebenserwartung und Wanderungen. Da die Wanderungen - zumindest teilweise - politisch beeinflusst werden können, ist von Interesse, wie sich der Altenquotient bei unterschiedlichen Wanderungsannahmen verhält. Dazu stelle ich Ihnen die Ergebnisse am Beispiel der mittleren Lebenserwartungsannahme vor.

Aktuell liegt der Altenquotient für 60 Jahre bei 44. Bei einem langfristigen Wanderungssaldo von mindestens 100 000 Personen im Jahr wäre für 2050 mit einem Altenquotienten von 85 zu rechnen (Variante 4). Bleiben jedes Jahr 100 000 mehr zugewanderte Personen in Deutschland, also 200 000, würde der Quotient im Jahr 2050 den Wert 78 erreichen (Variante 5). Sollten ab 2011 jährlich ca. 300 000 Personen nach Deutschland zuwandern - bis 2050 wären das etwa 4 Millionen Menschen mehr als in Variante 5 mit mittlerer Zuwanderung - würde der Altenquotient am Ende der Vorausberechnung bei 74 liegen. Mit zunehmenden Wanderungsüberschüssen sinkt auch der Altenquotient für 65 Jahre. Nach der niedrigsten Wanderungsannahme würde er von heute 28 auf 59 im Jahr 2050 ansteigen (Variante 4), bei mittlerer Zuwanderung dagegen 55 (Variante 5) und bei hoher Zuwanderung 51 (Variante 6) betragen. Bei dem Rentenzugangsalter von 65 entfielen nach den drei vorgestellten Varianten aber jeweils mindestens 20 Personen weniger auf 100 Menschen im Erwerbsalter als bei dem Altenquotienten von 60 Jahren.

Diese Beispiele zeigen, dass die Zuwanderung die Alterung zwar für einige Jahre dämpfen kann, aber letztlich keine langfristige Lösung darstellt.

 
5. Kritische Beschleunigung der Alterung zwischen 2010 und 2030

Die mit der Alterung der Bevölkerung einhergehenden Probleme werden sich im 2. und 3. Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts, wenn die geburtenstarken Jahrgänge aus den 1960er Jahren in die höheren Altersgruppen hineinwachsen, zuspitzen. Die nun folgenden Angaben beziehen sich wieder auf die mittlere Variante (Variante 5):

Unter der Bevölkerung im Erwerbsalter (hier 20 bis 64 Jahre) entfallen auf die 50- bis 64-Jährigen zurzeit mit 15,5 Millionen etwa 30%. Im Jahr 2020 werden 19,5 Millionen Menschen dieser Altersgruppe angehören und damit fast 40% der Bevölkerung im Erwerbsalter stellen. Danach geht die Zahl der Menschen dieses Alters und auch ihr Anteil an der Bevölkerung zwischen 20 und 64 Jahren zurück.

Auch der Altenquotient - hier in der Abgrenzung 60 Jahre betrachtet - entwickelt sich ungleichmäßig. Von 2001 (44) bis 2010 (46) wird eine Erhöhung um lediglich 2 Personen im Alter ab 60 Jahren je 100 Menschen im Alter zwischen 20 und 59 Jahren erwartet. Danach kommt es von 2010 (46) bis 2020 (55) zu einem deutlichen Anstieg um 9 Personen und von 2020 bis 2030 (71) zu einer sprunghaften Zunahme um weitere 16 Personen. Anschließend wird der Altenquotient nicht mehr so stark ansteigen. Von 2030 auf 2040 (73) erhöht er sich nur geringfügig, im letzten Jahrzehnt der Vorausberechnung nimmt er dann noch einmal zu (2050: 78), wobei diese Veränderungen nicht mehr das frühere Ausmaß erreichen. Rückblickend hatte sich im letzten Jahrzehnt bereits ein deutlicher Anstieg des Altenquotienten ergeben - von 35 im Jahr 1990 auf 44 im Jahr 2001; vor 50 Jahren hatte er nur 27 betragen.

Die Alterung wird also nicht erst in 50 Jahren zu Problemen führen, sondern bereits in den nächsten beiden Jahrzehnten eine große Herausforderung für Wirtschaft, Gesellschaft sowie vor allem für die sozialen Sicherungssysteme darstellen. Diese Entwicklung ist vorgegeben und unausweichlich: Im Jahr 2024 werden die 1964 Geborenen, der geburtenstärkste Jahrgang Deutschlands, 60 Jahre alt.

 
6. Weitere Informationsangebote

Weitergehende Informationen zu Annahmen und Ergebnissen der 10. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung enthält die Pressebroschüre "Bevölkerung Deutschlands bis 2050", die unter www.destatis.de, Pfad: Presse/ Presseveranstaltungen, als PDF-Dokument kostenlos heruntergeladen werden kann. Auf der Web-Seite des Statistischen Bundesamtes ist außerdem eine animierte Bevölkerungspyramide abrufbar, welche die Veränderungen im Altersaufbau unserer Bevölkerung in der Zeit von 1950 bis 2050 veranschaulicht.

Quelle im Internet: www.destatis.de


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