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Genreis-Skandal und Kontrolllücken in der EU


Import von Langkornreis aus den USA

Genreis-Skandal offenbart Kontrolllücken in der EU

24.08.2006 - Anlässlich der gestrigen Entscheidung der EU-Kommission, die Einfuhr von zum Verkauf bestimmten US-Langkornreis nur nach einer Zertifizierung der Mangels von Spuren gentechnisch veränderten Reis LLRICE601 der Firma Bayer zuzulassen, erklärt die Europa-Abgeordnete Hiltrud Breyer (Bündnis 90/Die Grünen):

Die Entscheidung der EU-Kommission, den Import von Langkornreis aus den USA von einer Zertifizierung abhängig zu machen ist zu begrüßen, war jedoch längst überfällig. So ist es besorgniserregend, dass die Kommission erst fünf Tage nach Bekanntgabe der Kontamination durch den US-Landwirtschaftsminister Maßnahmen eingeleitet hat.

Zudem sind diese Maßnahmen als erster Schritt notwendig, aber unzureichend. Dieser Genreis-Skandal zeigt, dass sowohl die EU- als auch die nationalen Kontroll-Systeme versagt haben. Die EU-Mitgliedstaaten müssen in Zukunft fähig sein, mit validierten Testmethoden gentechnische Verunreinigungen in Lebens- und Futtermitteln aufspüren zu können.

Auch die Zulassungspraxis und die Außenkontrollen müssen endlich auf den Prüfstand. Es ist verantwortungslos, dass erst durch die Mitteilung des US-Landwirtschaftsministers dieser erneute Vorfall aufgedeckt werden konnte. Die Kommission darf nicht noch länger den Kopf in den Sand stecken. Es ist besonders skandalös, weil schon der Vorfall im April 2005 um den illegal importierten Genmais Bt 10 Anlass für weit reichende Maßnahmen hätte sein müssen. Auch wurde im letzten Jahr auch in China illegal gentechnisch veränderter Reis aufgefunden. Dies ist brisant, da die EU im Jahre mehrere Tonnen Reis aus China importiert. Offensichtlich lernt die Kommission nichts aus diesen Vorfällen und hangelt sich nur von einem Skandal zum nächsten. Die großen Kontrolllücken müssen endlich geschlossen werden.

Die EU-Kommission muss Nägel mit Köpfen machen. Sie muss die Initiative ergreifen, um auch die offenen Haftungsfragen zu lösen. Die Mitgliedstaaten dürfen bei dieser Aufgabe nicht länger nur auf sich gestellt sein. Ein europaweites Problem erfordert eine EU-weit koordinierte Antwort!

Der herbizidresistente Genreis bringt den Verbrauchern keinen zusätzlichen Nutzen, im Gegenteil gibt es Bedenken über die gesundheitliche Unbedenklichkeit. Für die Agro-Industrie hingegen sind die Herbizidresistenzen ein attraktives Doppelpack: doppelter Gewinn durch die Vermarktung sowohl der herbizidresistenten Genpflanze als auch des passenden Herbizids.

Die EU steht in der Pflicht, die Öffentlichkeit umgehend darüber zu informieren, wie die Sicherheit der Verbraucher gegenüber möglicherweise illegal auf den europäischen Markt gelangende gentechnisch veränderte Pflanzen garantiert werden kann. Damit nicht-zugelassene gentechnisch veränderte Produkte den Verbrauchen nicht länger untergemogelt werden können.

Die Bundesregierung, die sich im Moment um die Lockerung des Gentechnikgesetzes bemüht, muss diesen besorgniserregenden erneuten Skandal als Weckruf begreifen und umgehend Maßnahmen zur Aufdeckung von illegalen Importen treffen.

Quelle im Internet: www.hiltrud-breyer.de

----- Weitere PM zum Thema Gen-Mais und genmanipulierte Pflanzen 2006 -----
 

Geheimer Anbau von Genmais zwischen 1998 und 2004

Bioland fordert vom Bundeslandwirtschaftsministerium Aufklärung / Ausmaß größer als bisher angenommen

Mainz, 24. August 2006. Nur durch Zufall wurde der jahrelange Geheimanbau von Genmais im Rahmen der Bundessortenprüfung im nordrhein-westfälischen Greven vor kurzem öffentlich. "Unsere Bioland-Bauern und ihre konventionellen Kollegen in der Region sind massiv verunsichert über diese späte Aufklärung eines Mitarbeiters des Bundessortenamtes und verlangen Aufklärung", so Thomas Dosch, Präsident von Bioland e.V.. "Der Fall zeigt eindringlich, wie wichtig der Fortbestand eines transparenten Standortregisters im deutschen Gentechnikrecht ist".

Doch das bundesweite Ausmaß des Geheimanbaus ist noch viel größer:

Nach Bioland vorliegenden Informationen wurden vom Bundessortenamt im Zeitraum 1998 bis 2005 insgesamt 32 gentechnisch veränderte Maissorten mit den Konstrukten T 25, BT 176 und MON 810 an jährlich bis zu 18 Standorten geprüft. . Die genauen Standorte der Jahre 1998 bis 2004 und deren Begleitumstände sind aber weiter geheim. Offen ist zudem die Frage, ob alle Bundesländer betroffen sind.

Im Interesse aller Bauern fordert Bioland nun die Offenlegung aller Standorte der Wertprüfungen von GVO-Pflanzen der Jahre 1998 bis 2004 und vor allem auch Klarheit über den Kenntnisstand von staatlichen Behörden bzw. anderen Institutionen. Eine entsprechende Anfrage wurde an das Bundeslandwirtschaftsministerium gerichtet.

Offen sind dabei folgende Fragen:

Wo genau und in welchem Umfang wurden Genmais-Sorten zwischen 1998 und 2004 geprüft? (Standorte, Umfang, Genmais-Konstrukte)?

Welche Behörden und Institutionen hatten Kenntnis auf Bundes- und Länderebene (Ministerien, Ämter, Kammern etc.)?

Wussten die Flächeneigentümer jeweils, dass Genmais auf ihren Flächen angebaut wurde?

Welche Sicherheitsmaßnahmen hat das Bundessortenamt ergriffen (Abstände, Mantelsaaten)? Wurde darauf geachtet, dass z.B. kein biologischer angebauter Mais in der Umgebung steht?

Was geschah jeweils mit dem Aufwuchs? Waren auch Sorten dabei, die in der EU inzwischen keine Zulassung mehr haben?

An welchen Standorten hat das Bundessortenamt 2005 geprüft? Wurden in diesem Jahr alle Standorte zurückgezogen?

Der jahrelange Geheimanbau von Genmais zeigt, wie wichtig der Fortbestand eines transparenten Standortregisters im deutschen Gentechnikrecht ist. Bioland warnt in diesem Zusammenhang vor jeglicher Aufweichung des Gentechnikgesetzes.

Bioland ist mit über 4500 Erzeugern und 720 Partnern in Lebensmittelhandwerk und -industrie der größte Verband im ökologischen Landbau in Deutschland.

Quelle im Internet und weitere Informationen unter: www.bioland.de


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Weitere Seiten zum Thema:

Genmanipulierte Pflanzen - Streitpunkt Gen-Mais

» Genreis-Skandal
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» Genmais und Gen-Alarm bei Kartoffeln
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» Genmais in die Mülltonne
» Gen-Mais bleibt Ladenhüter

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Sie haben eine Frage zum Thema "Gen-Reis" oder zum Thema "Gen-Mais" oder Sie möchten wissen, was bedeutet das Wort Gentechnik, oder was ist eigentlich Gen-Weizen? Einige Antworten auf häufig gestellte Fragen finden Sie unter dem Stichpunkt Glossar und einige weiterführende Erläuterungen unter Brennpunkte I und II.