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Giftköder gegen Mäuse streuen ist der falsche Weg


Allgemeines zur Vermehrung von Feldmäusen

Die Vermehrung von Feldmäusen verläuft nicht geradlinig, sondern unterliegt zyklischen Schwankungen. Ein Fachmann mag in diesem Zusammenhang von Gradationsjahren sprechen, womit nichts anderes als die Jahre gemeint sind, in denen es zu einer Massenvermehrung kam. Doch auf Zeiten mit einer Massenvermehrung folgen auch wieder andere Jahre, da die Bestände sich selbst regulieren und zusätzlich durch Prädatoren reguliert werden.
Zu diesen Prädatoren zählen in deutschen Landen unter anderem Greifvögel und Eulen, wie die Schleiereule. So ist von der Schleiereule bekannt, dass selbige in mäuse­reicheren Jahren wesentlich häufiger zur Brut schreitet, als in mäusearmen Jahren. Somit ist die Schleiereule eigentlich eine Verbündete der Bauernschaft. Doch Undank ist bekanntlich oftmals der Lohn, wie mit Draht vergitterte Einflugöffnungen an Kirchtürmen belegen.

Wie Mäusepopulationen sich selbst regulieren? Auch wenn noch nicht alles bis ins Detail erforscht sein mag, so ist eine Massenvermehrung nur möglich, wenn ein entsprechendes Nahrungsangebot vorhanden ist. Begünstig wird eine Massen­vermehrung weiterhin durch milde, schneearme und trockene Winter, sowie durch groß­flächige, monotone Ackerflächen, die zu wenig durch Gehölzstreifen aufgelockert werden.
Nach einer plötzlichen Massenvermehrung reguliert sich die Reproduktionsrate wieder bei einer Verminderung des Nahrungsangebotes und durch Stress bei zu hoher Bestandsdichte.

Nun tragen nicht die Feldmäuse die Verantwortung für zu milde Winter, an monotonen Ackerflächen oder an anderen Faktoren, die eine Massenvermehrung begünstigen. Die Verantwortung trägt der Mensch. Durch das Ausbringen von Giftködern im Streu­verfahren würde er seiner Verantwortung in keiner Weise gerecht, sondern nur in der Verringerung von begünstigenden Faktoren.
Falls jedoch zur Vermeidung von Ernteausfällen kein Weg an Giftköder vorbei führen sollte, so können diese Köder mit einer "Legeflinte" gezielt in die Mäusegänge eingebracht werden, wobei sich die Eingänge gleichzeitig verschließen lassen, so dass die Köder für andere Tiere unerreichbar abgelegt werden.

Quelle: HM


NABU Thüringen: Giftköder gegen Mäuse dürfen nicht gestreut werden

Der NABU Thüringen lehnt den Einsatz von Feldmausködern im Streuverfahren prinzipiell ab. "Es zählt nicht für umsonst zur guten fachlichen Praxis, Mäusegift in die Mäuselöcher zu streuen und diese dann zu verschließen", sagt Mike Jessat, der Landesvorsitzende des NABU Thüringen. "Giftköder zu streuen ist unverantwortlich. Giftköder können direkt aufgenommen werden und verendende Mäuse werden von Greifvögeln, Eulen, Störchen, aber auch von Hunden und Katzen als erste erbeutet. Gerade jetzt, wo Eulen ihre Jungen aufziehen, kann dieser Einsatz katastrophale Folgen haben."
Dem NABU liegen in diesem Jahr Meldungen von bis zu sechs Jungen beim Waldkauz vor. Viele Mäuse in der Natur führen auch zu größeren Jungenzahlen bei Greifvögeln und Eulen – eine natürliche Gesetzmäßigkeit. Der in den Giftködern enthaltene Wirkstoff Chlorphancinon weist laut Umweltbundesamt eine sehr hohe Giftigkeit gegenüber Vögeln und Säugetieren auf.

Trotz der Warnung des Bundesumweltamtes, diese Giftköder nicht auf die Oberfläche aufzubringen, versucht die Thüringer Bauernschaft regelmäßig das Streuverfahren genehmigt zu bekommen.
"Es ist verständlich, dass ein Landwirt seine Ernte optimieren will, man hört jedoch meist von Rekordernten, guten Jahren und besten Ergebnissen. Doch zu welchem Preis? Wir registrieren regelmäßig, dass es wieder weniger Feldraine, Hecken und andere Landschaftsstrukturen geworden sind." so Jessat.
"Zum Schluss versucht die Agrarwirtschaft das ansonsten illegale Streuen von Giftködern legalisieren zu lassen. Bizarrerweise muss man schon hoffen, dass die Mäuse einige Fehlstellen im Raps- oder Getreidefeld bewirken, damit Kiebitz, Feldlerche und Rebhuhn Brutplätze im monotonen Acker erhalten und Rotmilan und Schleiereule Mäuse für ihre Jungen jagen können," äußert sich Jessat verärgert. Selbst Wildkatzen auf Wanderschaft und die Restbestände des Feldhamsters können betroffen sein. Beides Arten, für die Thüringen eine besondere Verantwortung trägt.

Laut den Naturschützern müsse man endlich anerkennen, dass Mäuse eine wichtige Rolle im Naturhaushalt spielen. Die Schwankungen in den Beständen sind völlig normal und müssen einkalkuliert werden. Die Forderung, sich hier mit Gift einmischen zu dürfen, offenbart die Unkenntnis der natürlichen Abläufe auf dem Feld und ist nicht tragbar. Im vergangen Jahr hat die Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft (TLL) sogar verfügt, dass Maßnahmen zur Bekämpfung von Feldmäusen in Nichtkulturland wie Ackerrandstreifen, Straßenrändern und Böschungen möglich sind. "Die letzten Rückzugsflächen werden damit zur Todesfalle," so der NABU-Landesvorsitzende.

Quelle: www.NABU-Thueringen.de