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Ausgefressene
Lichter und abgesoffene Schatten
Stendal, im Juni 2009 - Die Digitalfotografie hat im zurückliegenden
Jahrzehnt die analoge Fotografie in weiten Bereichen verdrängt. Die Gründe dafür sind
sehr vielschichtig und liegen zum großem Teil in der Anwenderfreundlichkeit. So ist unter
anderem kein lästiger Filmwechsel mehr erforderlich. Digitale Speicherkarten sind
einfacher zu handhaben als Filme und beanspruchen kaum Platz im Urlaubsgepäck. Weiterhin
verfließen die Grenzen zwischen Camcordern und Digitalkameras bei Geräten für den
Freizeitbereich stetig mehr und eröffnen dem Durchschnittsanwender völlig neue
Möglichkeiten. Darüber hinaus gelingen Schnappschüsse im Urlaub bereits mit jedem guten
Foto-Handy.
Es ließen sich noch viele weitere Gründe anführen, zum Beispiel gehört
bei den ernsthaften Fotoamateuren die Pansche- rei in der Dunkelkammer zunehmend der
Vergangenheit an, da die Aufnahmen sich bequem am PC bearbeiten lassen. Ein weiterer
Vorteil besteht in der sofortgen Verfügbarkeit der Aufnahmen.
In diesem Zusammenhang betrachtet erscheint es wenig verwunderlich, dass digitale
Spiegelreflexkameras die Herzen vieler ambitionierter Fotoamateure eroberten und zunehmend
ihre analogen Geschwister aus den Verkaufsregalen verdrängten. |
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Der Siegeszug der D-SLRs hält ungebrochen an, so dass bei Canon, dem
derzeit größten Kamerahersteller der Welt[1], im Frühjahr 2009
die 10-millionste digitale EOS das Fertigungsband verließ.
Trotz vieler Vorteile, welche die digitale Fotografie gegenüber der anlogen Fotografie
aufzuweisen hat, wird die Freude beim Umsteigen von Film auf Sensor-Chip zuweilen mächtig
getrübt. Wie bei vielen Neuerungen in der Geschichte der Technik, so muss auch die
Digitalfotografie erst noch ihren Kinderschuhen völlig entschlüpfen, um freier von
anfänglichen Schwächen zu werden.
Zu diesen pubertären Schwächen der Digitalfotografie zählt der bislang immer noch
geringe Belichtungsspielraum. Stand 2009 wohlgemerkt, vielleicht sind diese Schwächen in
wenigen Jahren überwunden, da in allen Kameraschmieden dieser Welt an einer Lösung
dieses Problem gearbeitet wird. Um Irrtümer vorweg zunehmen, mit dem Begriff
Belichtungsspielraum ist in diesem Zusammenhang weder der Dynamikumfang der Aufnahmen noch
das Kontrastverhältnis der Fotos gemeint, da der Dynamikumfang bereits besser als beim
Diafilm ist und sich auch nicht mehr hinter einem Farbnegativfilm verstecken braucht.
Gemeint ist der Belichtungsspielraum und heute, im Sommer des Jahres 2009, besteht dieses
Problem zumindest noch und führt nicht selten zu ausgefressenen Lichtern und abgesoffenen
Schatten bei den Aufnahmen. Spätestens dann, wenn ein begeisterter Fotoamateur beim
Umstieg von Analog auf Digital seine neu erworbene D-SLR an einen Tag mit reichlich
Sonnenschein ausprobiert, könnte unter Umständen dieser Tag in einem Alptraum enden. Ein
Alptraum, der mit Schimpfen und Fluchen über die teure Spiegelreflexkamera verbunden sein
könnte, die vermeintlich keine besseren Bilder macht als eine preiswerte Kamera für
einen Bruchteil der Kaufsumme.
Ein gutes Beispiel für so einen "Alptraum" ist das nachfolgende Foto. Dem
absoluten Laien wird eventuell nichts auffallen. Bei diesem kleinen Abbildungsmaßstab ist
es ohnehin nicht leicht erkennbar, doch die Lichter an den Beinen und am Hinterteil der
Ziege sind ausgefressen und enthalten keinerlei Zeichnung mehr, während der Schatten vom
liegenden Baumstamm so gut wie abgesoffen ist, zumindest viel zu dunkel im Bild
wiedergegeben wird. Dieses Foto ist somit zugleich in einigen Bildbereichen überbelichtet
und in anderen Breichen unterbelichtet, ein Alptraum für jeden Fotografen.

© H. Müller | Eine kleine Ziege im Tierpark von Stendal
Die ausgefressenen Lichter an den Beinen könnten eventuell noch als
Lichtsaum in Folge des Sonnenstandes durchgehen, obwohl es sich noch um kein direktes
Gegenlicht handelt. Die ausgefressenen Lichter am hinteren Teil des Zickleins sind jedoch
nicht hinnehmbar. Die zugelaufenen bzw. abgesoffenen Schatten täuschen Lichtverhältnisse
und Kontraste vor, die so nicht Vorort vorhanden waren. Ein Farbnegativfilm hätte hier
vermutlich ausgeglichener reagiert und bei einer Vergrößerung vom Schwarzweißfilm wäre
in der Dunkelkammer durch die Wahl der richtigen Papiergraditation und durch partielle
Nachbelichtungen ein brauchbares Bild entstanden.
Nun, auch bei der Digitalen Fotografie gibt es einige Möglichkeiten
ausgefressene Lichter und abgesoffene Schatten zu vermeiden. Dazu auf den folgen Seiten
mehr.
Anmerkung zu
1) Werden Hersteller von Foto-Handys mit in die Statistik der weltgrößten
Kamerahersteller einbezogen, so ist Nokia führend. Presseberichten zufolge verkaufte
Nokia allein im Jahre 2006 rund 140 Millionen Foto-Handys. |
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