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Was bedeutet Fine Art Fotografie?

Wer sich auf künstlerischer Ebene mit der Fotografie auseinandersetzen möchte, wird beim Einstieg früher oder später über die Wortschöpfung 'Fine Art' stolpern. Eigentlich handelt es sich dabei um keine Wortschöpfung im üblichen Sinne, sondern um die 'Schönen Künste' allgemein. Wer nach einer Definition für 'Fine Art' sucht, sollte aus diesem Grund im deutschsprachigen Raum einfach nur nach Kunst oder nach 'Schöne Künste' suchen und dürfte genügend Stoff für einen Einstieg ins Thema finden. Weiter unten auf dieser Seite haben wir dennoch für unsere Leser eine Definition ↓ aufbereitet.
Weitere Erläuterungen zu finden sollte ebenfalls kein Problem sein, nur nicht unbe­dingt im Zusam­menhang mit der Fotografie, da die schönen Künste lange Zeit vor der Erfindung der Fotografie von den großen deutschen Dichtern und Denkern, wie Lessing, Goethe und Schiller, definiert wurden. Da diese nebst ihrer Ausdrucksweise zwischenzeitlich etwas aus der Mode kamen, wird häufig der Anglizismus 'Fine Art' für 'Schöne Künste' verwen­det.

Fine Art und die schönen Künste

Worum geht es bei Fine Art oder bei den schönen Künsten allgemein und bei der Fine Art Fotografie im Besonderen?

Diese Frage kann nicht ohne einen kur­zen Abstecher in die kulturgeschicht­liche Entwicklung der Kunst beantwortet werden und diese Entwicklung begann mit der Höhlenmalerei.
Nur leider, was unsere künstlerisch begabten Vorfahren einst bewog, ihre Kunstwerke in Höhlen zu verewigen, kann heute nicht mehr eindeutig geklärt werden. Möglicherweise waren frühe religiöse Vorstellungen im Spiel oder schamanistische Praktiken.

Belegt ist hingegen die Spanne vom Altertum bis ins Mittelalter, einer Zeit­spanne, in dem die Musik und später auch die Architektur und die Medizin als Kunst angesehen wurden, nicht aber die Malerei oder die Bildhauerei. Malerei und Bildhauerei zählten zum Handwerk, setzten diese Gewerke doch handwerkliches Geschick voraus und wurden mit den Händen und vergleichsweise einfachen Handwerkzeug gefertigt. Eine Tätigkeit, bei der man sich die Hände schmutzig macht, war halt Handwerk und keine Kunst.

Weiterhin muss bei der kulturellen Entwicklung berücksichtig werden, dass die Kunst­maler und Bilderhauer vom Altertum bis ins Mittelalter zwar einmalige Kunstwerke erschufen, jedoch nur als Auftragsarbeit, die von Angehörigen der Aristokratie oder des Klerus ver­geben wurde, zum Beispiel um Kathedralen und Kirchen auszuschmücken. Kunst um der Kunst willen wurde noch nicht gefertigt, da noch kein Markt vorhanden war. Eine Änderung zeichnete sich erst ab dem späten Mittelalter ab.

Ein weiterer Wandel vollzog sich, wie bereits weiter oben erwähnt, durch die großen deutschen Dichter und Denker ab dem Ende des 18. Jahrhunderts. Seither erfolgte mehr und mehr eine Trennung zwischen der Kunst ein Handwerkwerk meisterlich zu beherrschen und den schönen Künsten, die den Menschen moralische Werte oder ästhetische Gefühle vermitteln. Seither werden die Malerei und die Bildhauerei zu den schönen Künsten gerechnet.

Eine Einteilung könnte ab dieser Zeit etwa wie folgende aussehen, die jedoch nur als gro­ber Anhalt dienen soll, da die Einteilung in unterschiedlichen Ländern unterschiedlich gehandhabt wird.

Schöne Künste (Fine Art)

  • Darstellende Kunst - Musik, Tanz, Theater, Filmkunst und Tonkunst
  • Bildende Kunst - Bildhauerei, Malerei, Grafik und Fotografie
  • Literatur - Epik, Lyrik und Drama (nach einer Einteilung von Goethe)
  • Musik - Kammermusik und sonstige klassische Musik

Angewandte Kunst (Applied Art)

  • Kunsthandwerk, Design und Kunstgewerbe

Ob die Musik unter Darstellende Kunst gut aufgehoben ist oder wie die Literatur einen eigenen Unterpunkt benötigt, ist nicht nur vom zu betrachtenden Jahrhundert abhängig. So werden die Oper, die Operette und das Musical dem Musiktheater und das Musik­theater dem Theater gutgeschrieben, womit es wohl darauf ankommt, wie und in wel­chen Rahmen die Musik inszeniert oder vorgetragen wird.

Doch bleiben wir bei der Fotografie. Als die Fotografie ihren Kinderschuhen entwachsen war, hatte die künstlerische Fotografie einen ähnlich beschwerlichen Weg wie die anderen bildenden Künste zu bewältigen, ehe eine Anerkennung als Kunst erfolgte. Doch dazu auf den folgenden Seiten mehr.

Fazit und Definition: Fine Art Fotografie

Eine künstlerisch im Sinne von Fine Art (oder zu Deutsch im Sinne der Schönen Künste) gestaltete Fotografie sollte kein unbearbeitetes Abbild der Realität ergeben, vielmehr sollte ein künstlerisches Werk entstehen. Ein Werk, welches durch die Inspiration des Künstlers in dessen Kopf entstand und bei dessen Fertigung die Kamera nicht mehr ist oder war, als ein Arbeitsgerät, vergleichbar mit dem Pinseln eines Kunstmalers.

Weiterhin sollten künstlerische Fotografieren nicht in Auftragsarbeit entstehen, wenn durch Vorgaben der Auftragsgeber zu wenig Spielraum für den Fotografen verbleibt, eigene Ideen und Inspirationen umzusetzen. Ohne finanzielle Interessen als Motivation vorauszusetzen, sollten künstlerische Werke geschaffen werden, die dem späteren Betrachter ein Gefühl vermitteln, zur Auseinandersetzung mit dem entstandenen Kunstwerk oder dessen inhaltlicher Aussage anregen oder einfach nur zur sinnlichen Erbauung dienen.


Übersicht künstlerische Photographie:

» Einleitung
» Wesen, Definition und Bedeutung
» Ein kleiner Abstecher
» Einst und heute (Fotografie als künstlerisches Ausdrucksmittel)
» Fotokünstler der Gegenwart
» Bildbearbeitung (mit künstlerischen Effekten)

Auf der nächsten Seite: Von den Anfängen die Fotografie als künstlerisches Ausdrucksmittel zu erschließen →


 
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