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Künstlerische Fotografie einst und heute

Wann entstanden die ersten Fotografien, die es wert waren als künstlerische Werke anerkannt zu werden? Auf diese Frage lassen sich viele und keine Antworten finden. Nicht etwa weil es zum Ende des 19. Jahrhunderts oder zu Beginn des 20. Jahrhundert noch keine Fotografen gab, die sich bemühten, die Fotografie als künstlerisches Ausdrucks­mittel zu erschließen, nein, deshalb nicht. Diese gab es bereits, nur die Anerkennung von nur mit Licht gestalteten Bildern als Kunstwerke und die Anerkennung der Fotografie als schöne Kunst, stieß in künstlerischen Kreisen auf Ablehnung.

Ein Anliegen der Kunst im Sinne der schönen Künste (Fine Art) sollte es sein, Werte, Visionen oder Gefühle zu vermitteln. Heute würden wir als Hörer oder Betrachter sagen, "es hat mich be­rührt" oder "es hat mich nicht be­rührt".

Problem dabei, auch Bilder können be­rühren, die eigentlich keinen Anspruch auf Kunst erheben können. So verhält es sich zuweilen bei dokumentarischen Auf­nahmen, die in Krisengebieten nur im Vorübergehen geschossen wurden, dann aber reif sind für den Pulitzer-Preis.
Der Fotograf gestaltet hier nur durch die Auswahl eines Motives mit einem Blick durch den Sucher oder aufs Display und durch einen Klick auf den Auslöser, während die eigentliche Fertigung des Lichtbildes ein rein technischer Vorgang ist.

Lichtbilder, die nur durch einen Klick auf einen Auslöser und durch einen rein tech­nischen Fertigungsvorgang entstehen, können keine Kunst sein, so die damalige Auffassung von Kritikern, da der schöpferische Anteil fehle. Eine Einstellung, an der sich bis heute nicht sonderlich viel geändert hat und die vom Prinzip auch richtig ist, insofern ein künstlerisch-schöpferischer Anteil wirklich fehlen sollte.

The Crystal Gazer - Gertrude Käsebier
Foto / Bildautorin: Gertrude Käsebier
The Crystal Gazer von 1904
Quelle: Wikimedia (public domain)

Eine erste Stilrichtung der Fotografie, in der mehr Wert auf den schöpferischen Anteil bei der Ferti­gung eines Lichtbildwerkes gelegt wurde, war der Pictorialismus. Im Gegensatz zur einfachen Foto­grafie, bei der es sich einst wie heute lediglich um die Abbildung von gewählten Motiven handelt, lehn­te sich die pictorialistische Fotografie an die Prin­zipien der Malerei an.
Dabei wurde das Negativ weniger als Vorlage zur Fertigung von Abzügen betrachtet, vielmehr diente es als Ausgangsbasis für die Fertigung von künst­lerischen Fotografien. Nebenstehend ein Beispiel von Gertrude Käsebier, die, rückblickend auf die damalige Zeit, als eine der bedeutendsten Ver­treterinnen des Pictorialismus angesehen wird.
Der Pictorialismus erlebte seine Blütezeit um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert. In späteren Jahren wurde der Pictorialismus für seine Anlehnung an die Malerei kritisiert, da das Wesen der künstlerischen Fotografie nicht in der Nachahmung einer anderen Gattung der bildenden Kunst liegen kann, sondern die Kunstfotografie ihren eigenen Weg gehen muss.

Als richtungsweisend für einen eigenen Weg der Fotografie erwies sich unter anderem das von Ansel Adams publizierte Zonensystem. Beim Zonensystem wird nicht nur die Belichtungszeit und Blende entsprechend dem Motiv gewählt, sondern der ganze Prozess von der Belichtung des Motives bis zum fertigen Positiv aufeinander abgestimmt. Vergleichsweise Ergebnisse lassen sich bei den heute üblichen digitalen Kameras und Speichermedien nur noch nachträglich mit HDR-fähigen Programmen bei der Bildbear­beitung realisieren.

Trotz aller technischen Fortschritte in der Fotografie, möglicherweise vielleicht aber auch gerade wegen dieser Fortschritte, was nicht in Vergessenheit geriet sind die unter­schiedlichen Edeldruckverfahren, derer sich Künstler gern bedienen. Weiterhin ist damit zu rechnen, dass die analoge und die Schwarz-Weiß-Fotografie nicht völlig verschwin­den werden. Zumindest nicht so lange es noch Künstler gibt, die sich auf diese Technik besinnen und für die Fertigung von künstlerischen Fotografien verwenden.


Übersicht künstlerische Photographie:

» Einleitung
» Wesen, Definition und Bedeutung
» Ein kleiner Abstecher
» Einst und heute (Fotografie als künstlerisches Ausdrucksmittel)
» Fotokünstler der Gegenwart
» Bildbearbeitung (mit künstlerischen Effekten)

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